9-Loch-Kurs für Anleger

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Das Jahr 2018 war für die meisten Sparer enttäuschend. Die Zinsen auf Tagesgeld sind so niedrig wie selten zuvor, an den Aktienmärkten ging es am Ende des Jahres bergab und trotz allem blieben die Zinsen für Bundesanleihen niedrig. Golf-Immobilien sind der Hit – aber wie sind die Aussichten im Vergleich zu anderen Anlagen?

Golf-Immobilien: Risiko für Profis

Wer sein Vermögen abseits der Börse unterbringen will, dürfte bereits einen Blick auf Immobilien geworfen haben. Neben Wohngebäuden in der Innenstadt oder im Speckgürtel, sind in den vergangenen Jahren auch Golf-Immobilien in den Fokus der Investoren geraten. Der Hauptgrund dafür ist das zunehmende Interesse am Golfsport und die steigende Zahl an Golf-Resorts. Denn wo mehr Spieler, da mehr Urlauber und wo mehr Urlauber, da gibt es mehr Rendite: so lautet die grobe Rechnung.

Meist können Investoren einzelne Gebäude oder Teile einer Anlage erwerben und dann entweder selbst bewohnen oder eben vermieten. Die Einstiegshürden sind anders als an der Börse sehr hoch. Wer in Golf-Immobilien investieren möchte, muss mindestens 100.000 Euro in die Hand nehmen. Größere Villen oder Häuser, insbesondere in Küstennähe, gehen schnell in die Millionen.

Wie bei allen Immobilien gilt: Lage, Lage, Lage. Ist der Golfkurs gut zu erreichen, wird gut gepflegt und liegt in einer Urlaubsregion, erhöht dies die Chance, dass die Immobilie im Wert steigt. Der Kauf ist allerdings mit hohen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Läuft das Resort nicht mehr so gut, könnte der Wert der Immobilie ebenso fallen wie wenn der Golf-Trend abebbt oder weniger Menschen aufgrund einer Wirtschaftskrise in den Urlaub fahren. Hinzu kommen Instandhaltungskosten und mögliche Reparaturen. Ein Investment empfiehlt sich daher nur für Profis mit guten Beratern und dem nötigen Spielgeld.

Gold: Sicherer Anker fürs Depot

In Italien stottert der Wirtschaftsmotor, die USA und China drohen, sich gegenseitig in einen Handelskrieg zu verwickeln und der Brexit könnte im Chaos enden. Viele Anleger blicken deswegen auf eine alte Konstante: Gold.

Degussa Goldhandel Chefvolkswirt_Thorsten Polleit@Degussa GoldhandelDas Edelmetall gilt traditionell als sicherer Anker, wenn es in der Welt chaotisch wird. Einer Umfrage des London Bullion Market, dem wichtigsten außerbörslichen Handelsplatz für Gold und Silber gehen die meisten Analysten von einem Durchschnittspreis von 1311 Dollar je Feinunze (31,103 Gramm) aus. Das wäre nur knapp über dem aktuellen Kurs.

Thorsten Polleit ist weniger optimistisch. “Es lässt sich nun einmal zeitlich nicht verlässlich bestimmen, wann die nächste Krise ausbricht”, sagt der Chefvolkswirt des Edelmetallhandelshaus Degussa. Da es zurzeit nach Krise aussehe, geht er von einem höheren Goldpreis aus. Im laufenden Jahr erwartet er, dass Anleger rund 1460 Dollar je Feinunze auf den Tisch legen müssen.

Dax: Unsichere Zeiten

Am Ende ging alles schief: Der deutsche Leitindex DAX sackte 2018 mehr als 15 Prozent ab und war damit einer der großen Verlierer an der Börse.

Der Grund für den Absturz: Deutsche Unternehmen sind traditionell exportstark und deshalb abhängig von der weltweiten Konjunktur. Die aber drohte zu stottern und damit schwand das Vertrauen der Anleger in Aktien.

2019 bleibt schwierig. Die Unsicherheiten dürften eher zu- als abnehmen. In einer Umfrage des Vergleichsportals Biallo gaben die Analysten für 2019 ein Dax-Kursziel zwischen 11.000 und 13.200 Punkten an. Das entspräche einem Wachstum zwischen mageren vier und im optimistischsten Fall 25 Prozent gegenüber dem Jahresschlusskurs von 2018.

Tech-Aktien: Eine langfristige Wette

Der Einbruch kam plötzlich und war doch zu erwarten. Nach über zehn Jahren Wachstum haben die Kurse der großen Tech-Unternehmen Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (Alphabet) nachgegeben. Sie allen verloren im Oktober und November, teils sogar massiv. Allein die Apple-Aktie fiel zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent, die Aktie von Facebook rauschte um mehr als 15 Prozent ab.

Gründe für die Kurskorrektur gab es viele. Zum einen galten die Tech-Titel als überbewertet, zum anderen aber machte sich Skepsis bei den Investoren breit, wenn es um die Zukunft einzelner Firmen ging. So trauen sie etwa Facebook nur begrenzt zu, weiter zu wachsen, wenn die Nutzer die Kernplattform verlassen.

Dennoch könnte sich ein Investment in Tech-Titel langfristig lohnen. Zum einen ist das Geschäftsmodell einiger Firmen, wie etwa Amazon, nach wie vor hochprofitabel. Zum anderen sind viele Aktien durch den Ausverkauf zum Jahresende verhältnismäßig günstiger geworden.

Bundesanleihen: Noch immer zu teuer

Chris-Oliver SchickentanzEs lohnt sich einfach nicht. Wer dem deutschen Staat zurzeit Geld leiht, macht ein Verlustgeschäft. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel zum Jahresstart auf 0,15 Prozent, rund 0,25 Prozent Zinsen zahlt der Bund pro Jahr. Das ist deutlich weniger als die Inflation, die zuletzt 1,9 Prozent betrug. “Anleger verloren damit real Geld”, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank.

Künftig, glaubt Schickentanz, wird sich das nicht ändern: “Die Rendite wird bis 2022 nicht über die Inflationsrate steigen”. Dass trotzdem so viele Anleger zuschlagen, führt er auf die Angst vor einer Rezession und damit womöglich fallende Aktienkurse zurück. Der Run läuft frei nach dem Motto: Lieber wenig Rendite als gar keine.

Stefan Schneider, Chefanlagestratege der Deutschen Bank wird konkreter. Er erwartet, dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in naher Zukunft nicht über zehn Basispunkte steigt. “Gegen Ende 2019 sehen wir die Renditen dann bei 40 Basispunkten”, sagt Schneider.

Dividendenfonds:

Wer trotz Niedrigzinsen eine regelmäßige Ausschüttung anstrebt, setzt auf Dividendentitel, sprich Aktien von Unternehmen, die regelmäßig Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten. Das allerdings ist riskant, kann es doch vorkommen, dass ein Unternehmen die Dividende zusammenstreicht, etwa weil das Geschäftsjahr schlechter lief als geplant.

IMG Ali MasarwahBreiter gestreut ist das Risiko bei Dividendenfonds, die mehrere Titel bündeln und bei denen Dividenden meist reinvestiert werden. In den vergangenen Jahren liefen die Fonds dem Markt hinterher. Die großen Gewinner an der Börse, die Tech-Aktien, zahlen kaum Dividende und sind deshalb selten in den Fonds vertreten. Vom Boom haben die Fonds deshalb kaum profitiert.

Diesen Rückstand könnten sie 2019 aufholen. Ali Masarwah, Chefanalyst bei Morningstar, schaut auf die Unsicherheit an der Börse und sagt: “Viele Anleger werden in vermeintlich sichere Wertpapiere flüchten”. Dazu zählt er Aktien von Konsumgüter-Firmen oder der Tabakindustrie, die oft in Dividendenfonds auftauchen. Investieren mehr Menschen in solche Aktien, könnten die Kurse steigen und die Dividendenfonds profitieren.

Aktien in Schwellenländern: Möglicher Aufschwung

2018 war unerfreulich für Anleger in Schwellenländern. Der Leitindex, der MSCI Emerging Markets, verlor rund 15 Prozent. 2019 könnte es besser laufen. “Für die Aktienmärkte aus den Industrieländern gehen wir davon aus, dass das erste Halbjahr freundlich verläuft”, sagt Frank Klumpp, Aktienstratege bei der LBBW. Das spiegelt sich bisher auch in den Zahlen wider. Seit Anfang des Jahres 2019 hat der MSCI Emerging Markets zwischenzeitlich um sieben Prozent zugelegt.

Allerdings gibt es auch viele Risiken: Hebt die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen weiter, könnte das dazu führen, dass sich Investoren eher auf amerikanische Staatsanleihen konzentrieren und ihr Geld aus den Emerging Markets abziehen. Je nach Land, so sagt Klumpp, spielen auch die Themen Protektionismus und De-Globalisiserung weiterhin eine Rolle.

Trotzdem gebe es durchaus Potenzial, glaubt David Woo von der Bank of America Merrill Lynch. Er sagt: “Schwellenländer sind überverkauft und unterbewertet.” Das könnten Anleger nutzen, um in einzelne Märkte einzusteigen.

Öl: Gefährlicher Zickzack

Aufs Jahr gesehen war der Verlauf des Ölpreises ein ständiges Auf- und Ab. Allein im Dezember 2018 sackte der Kurs für Öl der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich um rund zehn Prozent ab und stieg kurz vor Silvester wieder auf 54 US-Dollar pro Barrel (159 Liter).

Für Anleger mit schwachen Nerven ist ein Investment in Öl nicht zu empfehlen, denn die Schwankungen dürften auch im kommenden Jahr anhalten.

Zwar gibt es durchaus Anzeichen dafür, dass der Ölpreis wieder steigt. So schätzen etwa die Investmentbanker bei Goldman Sachs, dass sich der Preis im Laufe des Jahres bei 62,5 US-Dollar je Barrel einpendelt. Doch bleiben viele Unsicherheiten, etwa die Frage, wie es zwischen den USA und dem Iran weitergeht, wie sich die Krisenherde der Welt entwickeln – und natürlich, ob die Pläne des Öl-Kartells OPEC greifen.

US-Aktien: Allenfalls moderat

Fast neun Jahre waren Investitionen in US-Firmen ein Freudenfest für Investoren – dann kamen die letzten drei Monate des Jahres 2018. Der Nasdaq brach ebenso ein wie der Dow Jones, die Kursgewinne eines ganzen Jahres war dahin.

Auch 2019 sieht es nicht rosig aus für die US-Aktienmärkte. Die Rückkaufprogramme der US-Unternehmen laufen aus und treiben die Kurse nicht mehr. Hinzu kommt der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA, der die Märkte belasten könnte.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank erwartet ein moderates Plus von sieben bis acht Prozent im Laufe des Jahres. Anleger in Europa dürften allerdings das Nachsehen haben. Ziehen die Zinsen in Europa stärker an als in den USA, etwa weil die EZB langsam aber sicher den Leitzins erhöht, dürfte der Dollar im Verhältnis leicht fallen. “Für europäische Anleger bleiben in Euro dann nur noch fünf oder sechs Prozent Rendite”, sagt Schickentanz.

 

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