Bayern pur

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Im Chiemgau stoßen Golfer auf eine Region, die nicht nur mit optischen Reizen wuchert, sondern mit Erfolg auf Beständigkeit und Naturverbundenheit setzt.

Von Petra Himmel

Die Orte hier tragen Namen wie St. Salvator, Urschalling, Seegatterl oder Schneizlreuth. Sie verstecken sich hinter der Hügellandschaft rechts und links der Autobahn A 8, auf der sich ab München inzwischen eigentlich ganzjährig am Wochenende der Autostrom Richtung Süden bewegt: vorbei am Chiemgau, dieser bayerischen Landschaft der Berge und Seen mit dem Chiemsee und dem Schloss Herrenchiemsee. Mit dem Wiedererstarken des Deutschland-Tourismus, dem Trend zu Nachhaltigkeit und Natur erlebt diese gerade einen kleinen Boom – auch unter Golfern.

Die üblichen Pilgerstätten des Wintertourismus, Reit im Winkl als Heimstatt der deutschen Vorzeigeskifahrerfamilie Mittermaier/Neureuther und Ruhpolding als Kernzelle der gesamtdeutschen  Biathlon-Begeisterung, wandeln sich im Sommer zu Zielen, die mit ihren Golfplätzen Reit im Winkl und Ruhpolding die gleiche Botschaft transportieren wie einst die Deutschland-Rosi: Bodenständigkeit, Naturverbundenheit, kein übertriebener Schnickschnack.

Unverbaut und authentisch

Mit dem Chiemgau als Golfer-Destination verhält es sich ähnlich. Es ist eine Region, die mit einem durchaus großen Angebot an Golfplätzen, guter Qualität und vor allem reichlich landschaftlichen Reizen überzeugt. Gleichzeitig bewegt sich die Region aber auch ein wenig unter dem Radar – dies ist kein Ziel, das in jedem Golfkatalog großflächig präsent ist. Die insgesamt sieben Plätze der engeren Chiemgau-Region ziehen sich hübsch eingepasst durch die leicht hügelige Landschaft. Ganz flach ist nur der Platz des Golf Resorts Achental. Richtig hügelig ist es dagegen in Reit im Winkl, wo sich die Mitglieder mit Ortskenntnis deshalb oft lieber für ein leichtes Tragebag entscheiden, als einen Trolley mit dem dicken Bag hinter sich herzuziehen. Die Rucksackvariante erweist sich an den Bahnen, die sich manchmal etwas unkonventionell über den Hang unterhalb des Hotels Peternhof ziehen, oftmals als die beste Herangehensweise an die Bahnen, die sich zwischen Bauernhöfen, Wiesen und kleinen Pensionen hinziehen.

Unverbaut sind die Golfplätze hier im Chiemgau, was erheblich zu dem beruhigenden Einfluss beiträgt, den sie auf die Gäste haben. Keine Immobilien-Batterien im Stile Südspaniens, keine Anhäufungen von Urlaubsbungalows – stattdessen vorrangig Grün, ab und an mal ein Bauernhof, eine Scheune, ein Unterstand, vereinzelt Pensionen, kleine Hotels, Einfamilienhäuser. So touristisch der Chiemgau gerade mit den bekannteren Orten Reit im Winkl, Ruhpolding oder Prien ist, so erfreulich ist die Tatsache, dass die Instagram-Tauglichkeit des Clubhaus-Mobiliars oder des servierten Wurstsalats in den Golfclubs noch keine beherrschende Rolle spielt. Das Dirndl der Bedienung passt ins Umfeld und die dicken Holzbänke und Tische vor dem Clubhaus des Golf Club Chieming sind irgendwie wie gemacht für das Bier nach der Runde.

Einheimische und Touristen funktionieren nebeneinander – auch auf den Golfplätzen, von denen nahezu alle über eine gute Decke an festen Mitgliedern verfügen. Als reiner Resort-Platz mit wenig Mitgliedern spielt der 18-Löcher-Kurs des Golf Resort Achental hier ebenso eine Sonderrolle wie der 9-Löcher-Platz von Gut Ising, der direkt angegliedert an das gleichnamige Hotel ebenfalls sehr stark von Hausgästen frequentiert wird. Ansonsten verstehen sich sämtliche Anlagen des Chiemgaus durchgehend als touristisch orientierte Mitgliederclubs.

Kombination aus Sport und Naturerlebnis

Der Reiz der Region liegt für Golfer auch in der Vielfältigkeit der Plätze: Wer die sportliche Herausforderung, erstklassige Grüns und modernes Design sucht, entscheidet sich für den Golf Club Chieming oder den Platz Achental, die seit Jahren auch erstklassige Golfer überzeugen und in Sachen Design und Qualität den Ton im Chiemgau angeben.  Reit im Winkl und Ruhpolding sind die Varianten für all jene, die neben Golf vielleicht auch schnell noch in die Berge wollen, die den nächsten Gipfel gleich um die Ecke suchen und auf 18 Löchern auch den einen oder anderen Anstieg nicht scheuen. Schnelle neun Löcher bieten der Golf Club in Prien, den man in seiner Schwierigkeit nicht unterschätzen sollte, und die eher kurze Runde in Gut Ising. Für jeden der Plätze gilt, dass man selten auf Großgruppen stößt, in der Regel nicht um Abschlagszeiten kämpft und die Kombination aus Sport und Naturerlebnis für ein gehöriges Maß an Entspannung sorgt.

Wer hierhin fährt, ist dafür als Gast ein klein wenig in Sachen Organisation gefordert. Pauschalreisen werden kaum angeboten. Anders als in der Türkei oder auch in Portugal ist die Bandbreite an Spitzenhotels deutlich kleiner, dafür aber die Vielfalt an Hotelvarianten größer. Ein 5-Sterne-Haus gibt es nach wie vor nicht, aber die ResortHotels Achental und Gut Ising agieren ebenso im First-Class-Bereich wie die neuen Chalets des Gut Steinbach in Reit in Winkl. Mit dem komplett neuen „a-ja Resort“ in Ruhpolding wird ein eher unkomplizierter Ansatz verfolgt. Unzählige kleine Pensionen, Ferienwohnungen, Bauernhöfe runden das Angebot an. Ein Chiemgau-Urlaub geht in Sachen Unterkunft eben luxuriös und dann auch durchaus teuer – oder eben preisattraktiv und bodenständig. Reizvoll ist beides, weil auch die größeren Hotels das bayerische Ambiente nicht vergessen. Urlaub im Chiemgau ist authentisch – und deshalb so erholsam.

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