Chillen bis der Schläger glüht

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Ein Drink und 100 Bälle in der Indoor-Golf-Lounge statt vier Stunden auf dem Platz – mit einem neuartigen Golf-Konzept haben zwei Brüder aus England eine interessante Variante zum klassischen Golfsport entwickelt. Der wirtschaftliche Erfolg zeigt: Golf ganz locker funktioniert

Von Thomas Fischbacher

Grafschaft Surrey, England, im Frühsommer vor ein paar Jahren: Nach einem Arbeitstag bei der PGA Championship im Wentworth Golf Club bietet sich am frühen Abend ein Besuch auf einer Driving Range an. Topgolf Surrey sei eine nahe Option, empfiehlt die Dame an der Hotelrezeption. Google verrät die Adresse: Moated Farm Drive. Irgendwo zwischen Örtchen wie Ottershaw, Addlestone und Byfleet. Bestimmt ein geeigneter Ort, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen.

Doch die Vorstellung vom ruhigen Golfabend in ländlicher Idylle relativiert sich schnell. Der Empfang des riesigen Komplexes ist mit fünf Mitarbeitern besetzt, die alle Hände voll zu tun haben. Topgolf ist keine gewöhnliche Driving Range, sondern an diesem Samstagabend in erster Linie ein angesagter Ort, an dem junge Leute – ob Golfer oder nicht – bei Pints, Burger und Golf einen lockeren Abend verbringen.

Jeder einzelne Tisch in der Bar im Empfangsbereich ist dreifach besetzt, auf den Monitoren läuft Sky Sports. Die Wartezeit, um an einen der 56 mehrstöckig angeordneten Abschlagplätze, genannt „Hitting Bays“, zu kommen, beträgt eine gute Stunde. Reservieren kann man nicht, es gilt „Wer zuerst kommt, spielt zuerst“.

Dabei erinnert Golf in der Lounge fast an eine Bowling Bahn: Laute Musik und Zielschießen sind Teil des Programms. Die Golfbälle sind individualisiert – High Scores blitzen auf Bildschirmen auf. Wer super trifft, bekommt ab und an ein Bier umsonst. Anfeuerungsrufe der Zuschauergemeinde in den Lounge machen Stimmung.

Von Watford nach Las Vegas

Der wirtschaftliche Erfolg der Firma Topgolf zeigt: Das Konzept schlägt ein. Dabei war die Grundidee in den 90er Jahren durchaus ungewöhnlich. Steve und Bruder Dave Jolliffe dachten über einen Weg nach, das bisweilen monotone Training auf der Driving Range kurzweiliger zu gestalten – und gleichzeitig effizienter. Im Jahr 2000 eröffnete die erste Topgolf-Anlage in Watford. Seither wächst das Unternehmen mit der Golf-Bowling-Idee rasant – finanzstarke Investoren (unter anderem Callaway Golf) stiegen ein und die Anzahl wuchs allein in den USA auf 23 Adressen. 2015 wurden auf allen 26 Anlagen weltweit von acht Millionen Besuchern 358 Millionen Bälle geschlagen. 2016 werden 13 Millionen Gäste erwartet – und fünf neue Anlagen gebaut.

In Las Vegas – wo auch sonst – entstand nun ein vorläufiger Superlativ. Eine Institution, die Golf Digest nur die „wahnwitzigste Driving Range der Welt“ nennt. Vier Stockwerke, 108 klimatisierte Abschlagplätze, 850 Angestellte, zwei Swimming Pools, Konzertsaal, fünf ausgestattete Bars, 9755 Quadratmeter Fläche, die Flasche Dom Pérignon Rosé für 750 Dollars. Alles mit Aussicht auf den Strip.

Deutschland: Lounge Golf in der Startphase

Las-Vegas-Dimensionen und eine Driving Range mit Chip-Bällen gibt es in Deutschland bisher nicht. Auch Topgolf hat bisher noch keine Ambitionen, eine Anlage in Deutschland zu bauen. Doch auch hierzulande gibt Ansätze, Golf in einem etwas anderen Umfeld präsentieren.

Die klassischen Golf Lounges, in den meisten Fällen Indoor-Anlagen, bieten Abschlagplätze mit Netz, Simulator-Golf auf den schönsten Plätzen der Welt sowie meistens auch Kurzspiel-Grüns aus Kunstrasen. Auch Golftrainer stehen bereit – alles in einem lockeren und legeren Ambiente. Viele haben sich auf Events spezialisiert. Firmen nutzen die Räumlichkeiten häufig für Weihnachtsfeiern, Tagungen oder Teambuilding-Events. Privatpersonen schätzen das Aktivprogramm für Kindergeburtstage oder sonstige Feiern.

Die Golf Lounge in Hamburg (www.golflounge.de) hat nur fünf Minuten von der Alster entfernt neben einer mehrstöckigen Driving Range im freien ein buntes Angebot an Events zu bieten. In Berlin kann man in der Event Location Capitol Yard Golf Lounge (www.capitol-yard-golf-lounge.de) neben Simulator-Golf auf Anfrage sogar Bälle aus Fischfutter in die Spree feuern. In der Indoor-Anlage Arena 79 (www.arena79.de) stehen in Bottrop neben einem gemütlichen Lounge-Bereich stolze 18 Simulator-Plätze zur Verfügung. Golf rückt auf diese Weise mitten in die Städte. Die klassische 18-Löcher-Runde wird hier nicht geboten – aber wer sucht die schon jeden Tag?

Interview

Die New Golf Lounge in Neu-Ulm (www.newgolflounge.de) bietet ab 2017 an einem Ort sowohl einen Golf Club als auch eine Golf Lounge geben. Die Lounge soll neben dem Wintertraining für die Clubmitglieder auch Neu-Golfer animieren, den Sport auszuprobieren. Golfspielen hat mit Anna Hoffmann, Marketing-Leiterin der Anlage, gesprochen:

„Da bleiben schon einige hängen“

„Beat Lounge“ heißt eines der Events in der New Golf Lounge – wie muss man sich Golf in Clubatmosphäre vorstellen?

Die Leute kommen, um auszugehen. Wir öffnen unsere Türen. Die komplette Lounge wird abgedunkelt, die Simulatoren sind die einzigen Leuchtobjekte, dann wird in einer lockeren Atmosphäre bei Cocktails und guter DJ-Musik Golf gespielt und kostenlos ausprobiert. Es stehen auch Trainer für Nachfragen zur Verfügung.

Generieren Sie so auch Neu-Golfer?

Es ist eine gute Möglichkeit, den Sport kennenzulernen und für sich zu entdecken. Vor allem für junge Leute , die dort erfahren, wie viel Spaß Golf eigentlich machen kann. Egal ob bei Events oder Firmenfeiern. Die Hemmungen sind geringer. Oft buchen sich die Gäste im Anschluss Trainerstunden und machen dann im Sommer die Platzreife. Da bleiben schon einige hängen.

Kann man im Winter auch auch ernsthaft trainieren?

Der Winter bietet sich an, um intensiv an der Technik zu arbeiten. Die Simulatoren messen viele Parameter wie Schwungpfad, Ballgeschwindigkeit oder Abflugwinkel. Sie bekommen nach jedem Schlag direkt Rückmeldung, wodurch das Training viel effektiver wird. Es gibt sieben mit modernster Technik ausgestattete Simulatoren. Die gleichen stehen auch bei Tiger Woods zu Hause. Es gibt neben dem Driving-Range-Modus aber auch einen Spielmodus, wo sie Runden auf weltbekannten Plätzen drehen können.

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Golfclub und Lounge?

Unser Konzept ist 365 Tage Golf. Leider ist es ja oft so, dass sich die Golfer nach dem Abgolfen Ende Oktober dann erst im April wieder auf dem Platz begegnen. Bei uns geht das Clubleben in der Lounge weiter. Wir haben flexible Angebote für Mitglieder und unsere Gäste. Wir veranstalten sehr viele Turniere, Lochspiel, Ryder-Cup-Formate. Es kommen auch viele Mannschaften zum Trainieren.

So punktet die Golf in der Lounge

  • Fit und im Schwung bleiben
  • Top-Plätze für kleines Geld auf dem Simulator
  • Erleben Sie Golf in einem lockeren Umfeld
  • Der perfekte Familienausflug
  • Golfspaß ohne Wetterrisiko
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