Costa del Sol: Eine für alle

Costa-del-Sol

Die Costa del Sol, Region mit der höchsten Golfplatzdichte Europas, hat aufgrund der Quantität in jeder Preisklasse etwas zu bieten. Wie sieht es mit der Qualität aus?

Als Prinz Alfonso Hohenlohe-Langenburg 1954 den Marbella Club gründete, hatte er sicher keine Vorstellung davon, was aus seinem exklusiven Treffpunkt des Geld- und Erbadels an der Costa del Sol einmal werden würde. 60 Jahre danach hat sich die Schöne am Meer, Marbella, das einstige Fischerdörfchen, zu einem weltweit bekannten Zentrum des Tourismus entwickelt. Das Clubhotel an der sogenannten Goldenen Meile beherbergt nach wie vor eine überwiegend exklusive Klientel. Rudolf von Schönburg, Cousin des legendären Initiators und in seinen Kreisen nur bekannt als “Conde Rudi”, soll es gelungen sein, bei den ausführlichen Jubiläumsfeiern die Jeunesse dorée bei Laune zu halten.

Für die rund acht Millionen Menschen, die im Rekordjahr 2014 die Costa del Sol besuchten, ist dies höchstens eine nostalgische Fußnote. Doch das Flair des Besonderen hat sich der 150 Kilometer lange Küstenabschnitt zwischen Málaga und Gibraltar irgendwie erhalten. Trotz der seit den schlimmen Krisenjahren um 2008 wieder rapide steigenden Besucherzahlen kann man im äußersten Süden Spaniens selbst in der sommerlichen Hochsaison generell nicht von Massentourismus sprechen. Ein Grund hierfür: Man hat schon sehr früh auf Golf als Lockmittel für
 eine betuchtere Klientel gesetzt.

PATINO SORGT FÜR DEN GOLF-BOOM DANK RYDER CUP

Neben einigen Pionieren, die bereits in den 60er-Jahren Golfplätze wie Las Brisas oder Rio Real eröffnet hatten, war es Don Jaime Ortiz Patino, der mit seinem Real Club Valderrama (1988 eröffnet) letztlich für den großen Golf-Boom sorgte. 1997 holte er mit seinen im südamerikanischen Minen-Business erworbenen Millionen praktisch im Alleingang den Ryder Cup erstmals von den Britischen Inseln auf das Festland.

In den folgenden vier Jahren war der von Trent Jones sen. gebaute Platz 50 Kilometer westlich von Marbella Austragungsort der Volvo Masters, des Abschlussturniers der European Tour. Tiger Woods und praktisch die gesamte Weltklasse waren Stammgäste. Seine Initiative begründete Don Jaime mit der erstaunlichen Feststellung: “Wir können uns, was das Klima und die geogra schen Gegebenheiten anbelangt, durchaus mit Florida vergleichen. Dort gibt es rund 1200 Golfplätze. Ergo müssten wir mindestens 300 haben.
 Platz genug ist vorhanden.”

Inzwischen ist der kleine Mann mit den großen Visionen längst tot. Sein Valderrama gilt nach wie vor als die Nummer eins in Kontinental-Europa, schon allein wegen der Faszination Ryder Cup, die sich historisch hält. Die Costa del Sol heißt inzwischen “Costa del Golf”, Plätze wurden gebaut auf Investment komm raus. Glücklicherweise sind es nicht 300, sondern lediglich circa 70 geworden. Das reicht leicht, um als die Region mit der größten Golfplatzdichte Europas zu gelten. Recht viel mehr würde sich derzeit auch wirtschaftlich nicht rechnen.

HEISS, ABER NICHT ZU HEIS

Denn andere Ganzjahresdestinationen in Reichweite Mitteleuropas haben den Golfsport als Tourismusmagnet ebenfalls entdeckt und heftig, zum Teil staatlich unterstützt, Anlagen und Resorts gebaut. Die neuen Konkurrenten mit angeblich so günstigen All-inclusive-Angeboten zogen speziell deutsche Golfspieler in großer Zahl aus Südspanien ab. Die Hochpreispolitik hier geriet Anfang des neuen Jahrtausends ins Wanken und so manche stolze Golfanlage schwer unter Druck. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Neben den treuen und überaus zahlreichen Gästen aus Großbritannien und Skandinavien wissen auch mehr und mehr deutsche Golfspieler die Vorzüge der Costa del Golf wieder zu schätzen: das Klima, heiß, aber nicht zu heiß im Sommer, kühl, aber nicht kalt und dabei überwiegend sonnig im Winter. Eine perfekte Infra- und Hotelstruktur, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten für jeden Geschmack und Geldbeutel. Der neue Großflughafen in der prosperierenden Metropole Málaga, täglich erreichbar von so ziemlich allen deutschen Airports.

Und natürlich und schlussendlich die Golfanlagen. Die meisten Betreiber haben ihre Lektion aus den schwierigen Zeiten gelernt und sowohl den Pflegezustand auf Fairways und Grüns als auch den Service spürbar verbessert. Ein besonders interessantes kleines Relikt aus der Krise: die hohe Volatilität bei der Preisgestaltung. Auf so manchen Anlagen wechselt
 das Greenfee stundenweise, tage- und wochenweise sowieso.
 Je nach Buchungssituation, Pfiffigkeit und Einfallsreichtum
 der Manager gibt es Nachlässe und “Sonderangebote” wie
 “Vier spielen, drei zahlen” oder Ähnliches. Ein weites Feld für Schnäppchenjäger und frühe Internet-Bucher.

Wobei sich rechtzeitig eine Startzeit zu sichern in den Zeiten von Oktober bis Ende November und Februar bis Mai wieder ein ganz heißer Tipp geworden ist. Was geblieben ist: die ungeheure Vielzahl und Vielfalt an Plätzen. Von ganz exklusiv und sehr teuer bis äußerst preiswert und dabei natürlich weniger anspruchsvoll, von hügelig und zu Fuß schwer zu bewältigen bis flach und über die Länge herausfordernd. In jedem Preissegment und für jede Spielstärke ist also etwas dabei. Im folgenden, zwangsläufig subjektiven Überblick über die besonders spielenswerten Anlagen wird versucht, das Kosten-Leistungs-Verhältnis zu bewerten.

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