Der Gast wird König

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Reine Mitgliederclubs sind Geschichte – wer heute Golf spielen will, hat die freie Wahl

Deutschlands Golflandschaft hat sich geändert: Die Zeiten, in denen sich ein Großteil deutscher Golfclubs alleine durch Mitgliedsbeiträge finanzierte, sind längst Vergangenheit. Die einst so hohen Mauern, mit denen man sich in einigen Vereinen vor Gastspielern verbarrikadierte, bröckeln.

Nur noch wenige Betriebe können es sich leisten, auf Gäste zu verzichten. Denn immer mehr Golfer entscheiden sich gegen eine feste Clubmitgliedschaft. Ein hohes Greenfeeaufkommen ist deshalb für viele Anlagen ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Andreas Dorsch, Geschäftsführer des Golf Management Verbandes Deutschland (GMVD) und der Leading Golf Courses of Germany, erlebt die Veränderungen der deutschen Golflandschaft seit Jahren.

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Herr Dorsch, gibt es heute noch Golfclubs in Deutschland, die ohne die Einnahmen durch Gäste auskommen?

Andreas Dorsch: Ein rein privater Golfclub, der keine Gäste zulässt, auch nicht in Begleitung von Mitgliedern, ist mir aktuell in Deutschland nicht bekannt. Die Einnahmenseite der Clubs setzt sich meist durch die Mitgliedsbeiträge, die Gäste-Greenfees, Turniere und Sponsorengelder zusammen. Einnahmen durch Gastspieler sind aber ganzjährig schwer zu kalkulieren und stark von den Wetterverhältnissen der jeweiligen Saison abhängig. Denken Sie nur an die starken, langanhaltenden Regenfälle in diesem Jahr. Die Golfbranche tickt da ähnlich wie das Biergartengeschäft.

Ist die Bereitschaft, hohe Mitgliedsbeiträge zu zahlen, bei Golfern generell gesunken?

Dorsch: Alle Golfclubs träumen heutzutage von ausreichend vielen Vollzahlern, die Anfang des Jahres pünktlich ihren Beitrag leisten und den Clubs dann ein Jahr lang die Möglichkeit geben, solide zu wirtschaften. In der Tat ist diese Personengruppe nicht mehr so einfach zu finden, wie noch in den 80er und 90er Jahren, wo es in nicht wenigen Golfclubs Wartelisten gab. In dieser Zeit war die Entscheidung für einen Golfclub eine wohl überlegte und lebenslange. Heutzutage entscheidet man eher kurzfristig. Faktoren wie der Erhalt der Flexibilität, Mobilität und das Preis-Leistungsverhältnis spielen eine Rolle.

Ist der Greenfeespieler zu einer unverzichtbaren Einnahmequelle der Clubs geworden?

Dorsch: Touristisch geprägte Golfresorts und Golfclubs setzen stark auf Gäste und Greenfees. Aber auch die Golfanlagen in den Ballungsräumen budgetieren in der Regel Greenfeeeinnahmen im niedrigen oder mittleren sechsstelligen Bereich. Die Haushaltsplanung rutscht oft ins Minus, wenn die Greenfeeinnahmen nicht stimmen. Ja, diese Einnahmequelle ist sehr wichtig, aber unter Umständen eben auch unzuverlässig. Ein, zwei schlechte Monate sind auf die Golfsaison gesehen, die mancherorts nur maximal acht Monate dauert, nicht mehr aufzuholen.

Was macht eine Anlage attraktiv für Gäste?

Dorsch: Die Clubs müssen weiter an ihrer Positionierung und ihrem Produkt, dem Golfplatz, arbeiten. Wir befinden uns gerade in einer Phase, in der die Golfplätze mit einem Alter von 30 bis 40 Jahren überarbeitet, renoviert und teilweise auch erweitert werden. Komplett neue Golfplätze werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaum noch gebaut. Aber auch an den weichen Faktoren wie der viel zitierten Willkommens- und Betreuungskultur muss weiter geschliffen werden. Wir sind in der Freizeitbranche und haben die Aufgabe, unseren Mitgliedern und Gästen ihre freie Zeit so angenehm und kreativ wie möglich zu gestalten.

Warum tun sich deutsche Golfclubs nach wie vor so schwer damit, konkrete Startzeiten im Internet anzubieten, um bessere Auslastungen zu erreichen?

Dorsch: In der Tat werben zahlreiche Clubs immer noch damit, dass sie keine festen Startzeiten haben. Ich kann das zum einem aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht verstehen, da ich als Golfanlagenbetreiber wissen möchte, wie die Auslastung meines Platzes ist. Auf der anderen Seite möchte ich als Mitglied oder Gast unbedingt eine feste Startzeit haben und nicht unnötige Zeit am ersten Abschlag beim Warten verlieren. Außerdem möchte ich diese von überall auf der Welt online schnell buchen können. Ich denke, dass sich das Thema in den nächsten zwei bis fünf Jahren von alleine flächendeckend erledigen wird.

Wird es künftig noch mehr Pay-and-Play-Plätze in Deutschland geben?

Dorsch: Aus meiner Sicht ist derzeit in allen Segmenten, von Pay-and-Play bis hin zu Premium-Golfanlagen, eine Sättigung eingetreten. Jetzt geht es darum, dass die bestehenden Golfanlagen ausgelastet sind und wirtschaftlich betrieben werden. Da stehen kreative Ideen, zeitgemäße Spielberechtigungs- und Mitgliedschaftsmodelle und professionelles Marketing im Vordergrund.

Interview: Sebastian Burow/Tim Starke

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