Der raue Norden

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Die British Open findet im Juli in Nordirland statt – die Landschaft ist rau und herb, die Qualität der Golfplätze herausragend. Ein Topziel also  für jeden Golfer.

 Von Wolfgang Scheffler

Die Begeisterung für Golf und die 148. British Open vom 18. bis 21. Juli 2019  im Royal Portrush Golf Club in Nordirland sprengt alle Grenzen. Die 40.000 Karten für jeden der vier Turniertage waren sofort nach Beginn des Vorverkaufs vergriffen. Deshalb entschloss sich der Veranstalter R&A Limited, Mitte April noch einmal insgesamt 15.000 Karten freizugeben, aber auch die waren im Nu verkauft. So werden von Donnerstag bis Sonntag jeweils 43.750 Fans die Fairways säumen. Insgesamt werden in der Turnierwoche mit den drei Trainingstagen 215.000 Gäste erwartet, die vor Ort miterleben wollen, wenn das älteste Turnier der Welt nach 1951 zum zweiten Mal an die Nordküste der Insel zurückkehrt. Dazu wird The Open in 150 Ländern im Fernsehen übertragen. Man rechnet mit mehr als 600 Millionen Zuschauern, darunter viele Golffans, die dieser spektakuläre  Dünenplatz reizen wird, den Besten der Welt nachzueifern.

Auf den Dunluce Links des Royal Portrush Golf Clubs kann man nach der British Open, ab dem 25. Juli, wieder Startzeiten für 220 Pfund buchen. Seit der englische Golfplatzarchitekt Martin Ebert die Dunluce Links für die British Open umbaute und statt der relativ langweiligen Schlusslöcher 17 und 18 zwei neue Löcher in den Dünen des Valley Courses anlegte, dem zweiten Platz des Clubs, ist eine Runde von Anfang bis Ende mit großartigen Aussichten auf das Meer und die namensgebende Ruine von Dunluce Castle abwechslungsreich, spektakulär und verlangt selbst den Besten der Welt alles ab. Das gilt hauptsächlich für Calamity Corner, ein 236 Yards (216 m) langes Par 3, das jetzt als 16. Loch gespielt wird. Es gilt, den Ball über eine tiefe Schlucht auf das leicht erhöhte Grün zu befördern. Auch wer das Grün verfehlt, wird sich über einen Ballverlust nicht grämen: Es ist einfach ein einmaliges Erlebnis, diesen Platz zu spielen. Durch den Umbau erhielt auch der Valley Course ein Facelifting. Der Platz ist kürzer und längst nicht so schwer, dafür aber ideal, um sich einzuspielen oder nach der Runde auf den Dunluce Links wieder Selbstvertrauen zu tanken.

Die besten Plätze am Wild Atlantic Way

Royal Portrush zählt sicherlich zu den Highlights auf der Insel, aber wer nicht ganz so viel Geld ausgeben will, dem bietet vor allem der Nordwesten der Republik etliche Links Courses, die am “Wild Atlantic Way” liegen. Entlang dieser mit 2.500 km längsten ausgewiesenen Küstenstraße der Welt findet man zwischen naturbelassenen Dünen, die oft bis zu zehn Meter in den Himmel ragen, bekannte und unbekannte Plätze, die ebenso viel Spielspaß bieten. Verlassen wir also Nordirland und fahren in die benachbarte Grafschaft Donegal, wo mit dem Rosapenna Hotel & Golf Resort das älteste und größte Golfresort (81 Löcher) der gesamten Insel liegt. Noch merkt man den Wechsel von Nordirland und dem Vereinigten Königreich in die Republik Irland nur an Geschwindigkeitsbeschränkungen, die in Kilometer statt wie in Nordirland in Meilen angegeben werden. Nach zwei Autostunden erreicht man von Portrush das Rosapenna Hotel and Golf Resort an der malerischen Sheephaven Bay, mit dem Gründungsjahr 1891 das älteste der gesamten Insel. Ende des 19. Jahrhunderts entwarf Old Tom Morris in den Dünen direkt am Meer die ersten 18 Löcher, die Old Tom Morris Links.

2003 fügte Pat Ruddy, der durch das Design von The European an der irischen Westküste weltberühmt wurde, den zweiten Platz hinzu, die Sandy Hills Links. Dieser Platz gilt heute als einer besten modernen Links Courses in Irland. Dazu entstanden ein zweistöckiges Clubhaus, eine große Driving Range und rund um das herrlich am Meer gelegene 4-Sterne-Hotel ein Kurzplatz, der Academy Course. Im September 2009 wurden die Strand Nine eröffnet, die die ursprünglichen ersten neun Löcher der Old Tom Morris Links ersetzen, da etliche Löcher jenseits der zum Hotel führenden Straße lagen. Diese neun Löcher werden heute als eigener 9-Loch- Inland-Course genutzt. Die Strand Nine von den Old Tom Morris Links wurden ebenfalls von Pat Ruddy angelegt und bieten eine atemberaubende Aussicht auf die Mulroy Bay. Welchen der beiden Plätze man lieber mag, ist  Geschmackssache. Aber eines ist unbestritten: Die Sandy Hills Links sind eindeutig anspruchsvoller, ganz besonders wenn, wie in Irland nicht unüblich, ein kräftiger Wind weht.

Rosapenna, ein Resort im Besitz der Familie Casey, bietet sich als ideale Basis an, um die Links Courses im Nordwesten zu erkunden, zumal das Hotel Startzeiten auf allen Plätzen der Region organisieren kann. Nur eine halbe Stunde von Rosapenna entfernt liegt der 1891 g egründete Portsalon Golf Club auf der Fanad Halbinsel. Zwischen dem Strand der Ballymostocker Bay und den Knockalla Mountains hat Pat Ruddy im Jahr 2000 den Platz verlängert und neun vollkommen neue Löcher angefügt. Der irische Ryder-Cup-Kapitän Paul McGinley hat vor einigen Jahren noch einmal einige Löcher überarbeitet. Heute ziehen sich 18 Löcher zwischen den Dünen und am Strand entlang. Auch wenn der Platz kein klassischer Links Course ist, bietet er viele spektakuläre Löcher. Vor allem das 2. Loch, das Signature Hole des Platzes, hat es in sich. Wer den Abschlag über den Strand aufs Fairway bringt und mit dem zweiten Schlag das durch einen Wassergraben gesicherte Grün dieses 422 Yards (386 m) langen Par 4 erreicht, kann den Rest der Runde entspannt angehen.

Irlands nördlichster Platz: Ballyliffin

Dagegen sind die beiden Plätze des Ballyliffin Golf Clubs Links-Klassiker und zählen zum Besten, was die “Grüne Insel” zu bieten hat. Sir Nick Faldo, der den Old Course des Clubs überarbeitete, schwärmt von den beiden 18-Loch-Plätzen des 1947 gegründeten Clubs “als den natürlichsten Links der Welt”. Auch wer es sich nicht  zumuten will, beide Plätze an einem Tag zu spielen, sollte sowohl eine Runde auf den Glashedy Links, auf dem 2018 die Irish Open ausgetragen wurde, als auch auf den Old Links drehen. Auf den Glashedy Links, die Pat Ruddy  zusammen mit Tom Craddock entwarf, spielt man vom ersten bis zum letzten Abschlag durch eine Art Dünen-Mondlandschaft und wird immer wieder durch spektakuläre Blicke aufs Meer entschädigt – Links Golf in seiner schönsten Form. Dazu gilt es, mit dem 7. Loch das ungewöhnlichste Par 3 in den irischen Dünen zu überstehen: Fast 30 Meter geht es hinunter zum Grün, neben dem rechts ein Wasserhindernis lauert. Hier wie auch auf den Old Links, die einen Tick weniger anspruchsvoll sind, ist es von Vorteil, wenn man den Ball flach halten kann. Denn auch eine kräftige Brise Wind gehört meist zu den Herausforderungen, die es beim Links Golf zu meistern gilt.

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