Ein Präsident und Golfer

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Donald Trump steht unter Beschuss – Kosten und Zeitaufwand für das Golfspiel gehen seinen Kritikern in den USA zu weit.

Von Petra Himmel

“Ich werde für Euch arbeiten. Ich werde keine Zeit haben, Golf zu spielen.” Mit diesem Versprechen wandte sich Donald Trump im August 2016 an seine amerikanischen Mitbürger. Seit seiner Wahl in das Amt des US-Präsidenten wird der 72-Jährige nun an diesem Versprechen gemessen. Die Website trumpgolfcount.com hält minutiös alle seine Golfrunden fest, die Kosten seiner Golfbesuche werden Dollar für Dollar aufaddiert. Das neue Buch “Commander in Cheat” des Autors Rick Reilly ist prall gefüllt mit Berichten der Golfpartner, Mitarbeiter oder des Security-Personals, die sich zum Golfspiel des Präsidenten äußern. Und: Seine zahlreichen Golfbesitztümer, die inzwischen Sohn Eric offiziell führt, stehen ständig im Licht der Öffentlichkeit.

Trump wird an seinen Vorgängern gemessen, von denen 17 – und damit fast alle übrigens – ebenfalls begeisterte Golfer waren. Das Golfspiel des Präsidenten an sich stößt deshalb in der US-Öffentlichkeit erst einmal nicht auf Kritik. Schließlich ist nach Dwight D. Eisenhower sogar ein Haus auf dem Gelände des Augusta National Golf Club
benannt, weil er dort so häufig zu Besuch war. Bill Clintons Hang zu kleineren Schummeleien auf dem Golfplatz ist altbekannt und auch Barack Obamas Golfurlaube wurden immer gutgeheißen.

760.000 US-Dollar für Golfcarts-Anmietung

Was für Kritik und Ärger sorgt, sind bei Trump andere Dinge. Zum einen übersteigt die Golfsucht Trumps jene von Barack Obama bei Weitem. Wenn er im gleichen Ausmaß Golf spielt wie bisher, dürften sich laut trumpgolfcount.com seine Besuche in Golf Clubs am Ende seiner ersten Amtszeit auf rund 300 addieren. Obama kam in acht Jahren auf genau 306. Laut der „Washington Post“ haben sich allein die Flugkosten für 24 Besuche in seinem eigenen Golf-Resort Mar a Lago, das er bis Anfang Mai 24 Mal aufsuchte, auf 47.288.000 Dollar aufsummiert.

Hinzu kommen enorm hohe Summen, die der Secret Service während der Golfausflüge für die Anmietung von elektrischen Golfcarts ausgibt, um die Sicherheit des Präsidenten zu gewährleisten. Das Redaktionsnetzwerk Mother Jones berichtete am 24. April von insgesamt 769.520 Dollar für 65 Mietverträge.

Donald Trump nützt seine Golfrunden dabei keineswegs ausschließlich für politische Gespräche. Vielmehr ergibt die genaue Auflistung seiner Spielpartner, dass er Spitzensportler bevorzugt. Das Who’s who der Golfprominenz von Tiger Woods über Rory McIlroy, Ernie Els oder Jack Nicklaus hat er längst durch. Aus politischer Sicht hat er im japanischen Premierminister Shinzo Abe einen Gesinnungsgenossen auf dem Golfplatz gefunden. Mit ihm spielte er schon vier Runden, mehr als mit jedem anderen Politiker.

Schummeln und Speed-Runden

Dabei hinterlässt der Amerikaner bei einem Großteil seiner Spielpartner offenbar keinen besonders fairen und sportlichen Eindruck, zumindest wenn man den Berichten in dem neuen Buch “Commander in Cheat. How Golf explains Trump” (frei übersetzt: Der Schummel-Chef. Wie Golf Trump erklärt) glauben darf. “Er betrügt im höchsten Maß. Er schummelt, wenn die Leute zusehen und wenn sie nicht zusehen”, stellt Autor Rick Reilly fest, ein ehemaliger Kolumnist der angesehenen “Sports Illustrated”, der mit Donald Trump bereits Golf spielte. “Er betrügt, egal, ob man das mag oder nicht. Er betrügt einfach, weil er so Golf spielt.”

Bei einem Golfthema allerdings macht Donald Trump tatsächlich Positivpunkte. Er gilt als extrem schneller Spieler. “Er läuft superschnell. Speed-Runden. Er schlägt und läuft und schlägt und läuft”, berichtet einer der Republikaner aus dem Weißen Haus im Rahmen eines Interviews für das Buch. “Alle anderen versuchen, mit ihm Schritt zu halten.”

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