Einmal abtauchen

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160 Jahre Golf, 60 Jahre Wellenreiten, fast 40 Jahre Autonomie: Im Baskenland wird viel auf Tradition gegeben. Lebensqualität bietet diese Region in Hülle und Fülle.

Aus etlichen Golf- und Surfurlauben der letzten 30 Jahre ist eine Situation bildlich in Erinnerung geblieben: Ich stehe in Hendaye, einem kleinen französischen Ort nahe der spanischen Grenze zwischen Biarritz und St. Sebastian, beim Bäcker in der Schlange und bestelle in ordentlichem Schulfranzösisch ein paar leckere Backwaren plus Café au Lait. Ein alter Herr mit weißem Schnauzbart, kariertem Hemd und einem schwarzen Berret Basque in der Stirn dreht sich wieselflink um und zischt energisch: „Sie sind hier nicht in Frankreich und auch nicht in Spanien – das wissen Sie!“ Aus dem Nichts heraus. Ohne dass ich etwas Ungebührliches getan oder gesagt hatte. Die Antwort kam zögerlich und wohlerzogen: „Ja, natürlich, wir sind hier im malerischen und unabhängigen Baskenland“, oder so ähnlich. Damit war der Baske halbwegs zufriedengestellt. Konfrontationen wie diese waren damals keine Seltenheit. Graffiti an Hauswänden und Plakate mit Aufrufen zum Kampf um die Freiheit  waren allgegenwärtig und wirkten auf harmlose Touristen durchaus beängstigend.

Zum Glück gehören derartige Szenarien längst der Vergangenheit an. Ruhe und Frieden sind im Baskenland eingekehrt, die ETA ist seit Mai 2018 gar ganz offiziell aufgelöst. Schließlich passt zu diesem wunderschönen Streifen der Atlantikküste Aquitaniens und der Bucht von Biskaya – mit seinen herrlichen Dörfchen, Stränden, Klippen und überwiegend uralten Golfplätzen – eigentlich auch nur eine friedlich-harmonische Stimmung. An vielen Stellen scheint der Atem des Mittelalters noch immer in den Gemäuern und Gässchen zu hängen. Stolze Herrenhäuser und Villen mit Türmchen und Giebeln säumen die Spielbahnen der Golfplätze. Da wären die zu den ältesten Clubs außerhalb Großbritannien zählende Anlage von Golf de Biarritz le Phare am Fuß des Leuchtturms aus dem Jahr 1888, der nicht viel jüngere Links-Kurs Golf de Chiberta von Anglet oder auch die 1930 von Tim Morisson entworfene Parkanlage Golf Club d’Hossegor zu nennen.

Charakteristisch für die raue Küste sind dschungelähnliche Pinien- oder Kiefernwälder mit dicht wucherndem Unterholz und Farnteppichen. An Wasser mangelt es hier nicht. Aber meist regnet es nur kurz. Und ab zehn Uhr ist es dann auch im Frühling oder Herbst bereits so warm, dass jede Kiefer, die am Fairway-Rand Schatten spendet, genügend Schutz bietet. Im Winter kann es viel und lange regnen und stürmen, im Sommer dafür höllisch warm sein.

Rau, ehrlich und voller Leidenschaft

Das Baskenland wird auf baskisch Euskadi genannt, auf spanisch Pais Vasco und auf französisch Pays Basque. Es umfasst in Spanien die drei Provinzen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland und in Frankreich den Westen des Départements Pyrénées-Atlantiques. Seine Ausdehnung ist politisch und gesellschaftlich umstritten und steht im Spannungsfeld von baskischem, spanischem und französischem Nationalismus. Hinzu kommt, dass es von stolzen und teilweise recht dickköpfigen Patrioten bewohnt wird, sie gelten als traditionsbewusst und eigenwillig.

In der Küstenregion mit ihren knapp drei Millionen Einwohnern, von denen weniger als jeder Vierte Baskisch spricht, wurde lange und viel gekämpft. Hier geht es rau zu, aber auch ehrlich und leidenschaftlich. Klimatisch gesehen also nicht wie am Mittelmeer, kein Warmwasserplanschen. Das Wasser hier hat meist zwischen 14 und bestenfalls 19 Grad. Ungemütlich, dafür rollen im Winter die größten Surfwellen Europas herein. Wellen, für die sich Surf-Begeisterte aus aller Welt in den Flieger oder in ihre VW-Busse setzen und nach Biarritz, San Sebastian oder Bilbao pilgern.

Zurück zum Golf: Neben den bereits genannten Anlagen sei auch ein Besuch im etwas im Hinterland versteckten Golf d’Arcangues angeraten. Der Kurs wurde von Marquis Guy d’Arcangues ermöglicht, einem geschätzten Künstler und Journalisten großer Zeitschriften wie Paris-Match, Vogue oder Adam. Zudem war er 14 Mal französischer Amateurmeister im Golf und Artist – als Artistic-Direktor des berühmten Casinos von Biarritz lockte er Stars wie Frank Sinatra in die edlen Räumlichkeiten. Er soll die rund 80 Hektar Land des Golfplatzes mitsamt 500 Jahre altem Clubhaus für einen einzigen Franc verschenkt haben, so heißt es jedenfalls.

Wenn die Zeit stillsteht

Seit jeher übt dieser Landstrich eine magische Anziehung aus. Die beste Zeit fürs Baskenland ist um Pfingsten herum oder im Herbst – also wenn noch Ruhe herrscht oder die Touristenanstürme nach einer mittlerweile sehr überlaufenen Sommerphase wieder abebben. In den Golfclubs scheint allerdings ohnehin die Zeit stillzustehen, lediglich die Preise sind im Lauf der Jahre gestiegen. Doch ab September bis Ende April ist Nebensaison. Da ist alles um einiges erschwinglicher, wobei man vielleicht besser einen wärmenden Kragen, Mütze und Regenschirm für die Runde bereithält. Dafür sind aber das ehrliche Leben liebenswürdiger Basken und teilweise herzerfrischende Verschrobenheit anzutreffen, in nach der Saison tatsächlich wieder verschlafen anmutenden Dörfchen. Man konzentriert sich auf den Fischfang, Muscheln und den guten Wein.

Überhaupt, die baskische Küche  hat viel zu bieten. Da wäre die feine Kunst des Backens, eine traditionsreiche Schinken- und Käseproduktion oder auch eine Vielzahl an Zubereitungsvarianten von Meeresfrüchten aller Art. Die Urlaubstipps sehen da ganz schlicht aus: Am Hafen gekaufte Austern mit Zitrone, frische Tunfischsteaks vom Grill, viele Schalentiere mit Knoblauch aus der Pfanne. Salat oder Kartoffeln eventuell, Wein muss, Baguette kann – und danach auf jeden Fall Käse. Dazu passen natürlich das Rauschen der Brandung und das stetig wiederkehrende Licht des Phare de Biarritz am besten.

Vom größten Flughafen der Region in Bilbao führen zwei Wege nach Biarritz oder zum angrenzenden Ort Anglet: eine zweistündige Berg-und-Tal-Fahrt via Autobahn oder eine schöne, jedoch viel befahrene Küstenstraße durch San Sebastian, über die mittlerweile verlassene Grenze und vorbei an Saint-Jean-de-Luz, wo sich auch der legendäre, 90 Jahre alte Golf de Chantaco befindet. Klippen säumen den Weg, auf denen alte Bastiden und Schlösser thronen. Sie rahmen Buchten ein mit goldenen Sandstränden, zur anderen Seite die Pyrenäenausläufer und Weinfelder, soweit das Auge reicht. Von Biarritz gen Norden sind es wiederum etwa zwei Fahrstunden bis Bordeaux – auf diesem Weg befinden sich die edlen 27 Löcher von Robert Trent Jones Senior Golf de Moliets sowie die Abfahrt nach Pau, wo es zum zweitältesten Club außerhalb Großbritanniens geht. Jeder, dem Alter und Tradition von Golfplätzen etwas bedeutet, sollte die 130 km lange Fahrt auf sich nehmen. In Pau, am Fuß der Pyrenäen, erwarten ihn der 1856 von Willy Dunn entworfene Pau Golf Club, hervorragend gepflegte Fairways in einem Schlosspark im Herzen der Stadt. Er ist nicht lang und spielt sich recht technisch. Die Fahrt hat sich zudem gleich doppelt gelohnt: Am Stadtrand bietet Golf de Pau-Artiguelouve 18 flache Wettkampflöcher mit Wald, Seen und vielen Doglegs.

Für den Trip ins Baskenland noch der Tipp: Nicht nur Zeit für Golfen einplanen! Neben sensationellen Plätzen gibt es vieles mehr zu erkunden. Und ganz wichtig, erwähnen Sie niemals, dass Sie sich in Frankreich oder Spanien befinden könnten – wir sind schließlich im Baskenland.

10 Top-Tipps: Côte Basque

  1. Pelota-Pause: Nahezu jedes Dorf hat ein Pelota-Feld. Unbedingt anhalten und zuschauen, wenn es unter den Dorfhelden bei diesem Traditions-Ballspiel um Ruhm und Ehre geht.
  2. Strand-Dinner: Mit Basken-Vesper (Schinken, Käse, Wein) den Surfern am Chambre d’Amour bei Anglet oder an der Promenade von Hendaye im Sonnenuntergang zusehen.
  3. Leuchtturm: Die Kuppel des Phare de Biarritz erklimmen – und bei starkem Seegang in der Grotte darunter mit festem Schuhwerk die Gischt im Gesicht spüren.
  4. Tapas-Tour: In der Altstadt von San Sebastian durch die unzähligen Tapas-Bars touren und von allem etwas probieren.
  5. Surf-Session: Von den Wiesen aufs Wasser wechseln mit der ältesten Surfschule Frankreichs von Jo Moraiz (jomoraiz-com) oder mit dem Anglet Surf Club (angletsurf.org) in Chambre d’Amour oder bei den Biarritz Boardriders (biarritz-boardriders.com).
  6. Golfpass Biarritz: Der Golfpass Biarritz bietet fünf zwei, drei oder vier Greenfees auf Plätzen der Region (Arcangues, Bayonne, Biarritz, Ilbarritz, Seignosse, Chantaco) für 100 Euro (zwei Runden in der Nebensaison) bis 268 Euro (vier Runden in der Hauptsaison).
  7. Golfpass XLandes: Zwei (XS), drei (X) oder fünf (XX) Runden auf Moliets, Hossegor, Seignosse, Pinsolle-Souston oder Mont de Marsan für 100 Euro (zwei GF/NS) bis 335 Euro (5 GF/HS).
  8. Bars und Betten: Hotels für Golfer, die kurze Wege schätzen sind Hôtel de Chiberta, Golf-Hôtel de Seignosse sowie das Resort Golf de Moliets. Sehr typisch geht‘s in der Tantina de la Playa in Bidart zu mit gutem Fisch auf Baskisch, Surfbretter an der Decke und klasse Blick vom Tisch über die Küste. Im Grünstreifen hinter dem Plage Cavaliers, also direkt bei den Küstenlöchern von Chiberta, bietet das La Concha mehr als nur Strand-Snacks: Fischspezialitäten und vor allem – wie der Name schon sagt – beste Muscheln aus dem rustikalen Tontopf. Um Tapas und spanische Spezialitäten mal fein und dennoch urig in der Altstadt von Biarritz zu genießen: El Callejon. Und Chez Albert am alten Fischerhafen von Biarritz ist die Adresse für Meeresfrüchte und Wein mit Ambiente.
  9. Reisezeit: Mitte September bis Mitte Juni. Vor allem Biarritz ist in den Sommermonaten Juni bis September stark überlaufen. Danach kann das Wetter zwar etwas britisch wechselhafter sein, die (Greenfee-) Preise sind aber niedriger, die Wellen höher.
  10. Webseiten: ffgolf.org, golfspain.com, euskogolf.com, fvgolf.com, golfpassbiarritz.com, biarritz.fr, paysenfrance.com/64-pays-basque, tourisme-aquitaine.fr, franceguide.com, ffpb.net, tourismelandes.com

Golfplätze: Côte Basque

Golf de Moliets (golfmoliets.com)

Greenfee 59 Euro Nebensaison (November bis März), 79 Euro

Makellose Anlage mit Resort und großem Fitness- sowie Trainingscenter in einem weitläufigen Pinienwald direkt hinter der Küstenlinie. Die spektakulärsten Bahnen sind klar die 13, 14, 15 und 16. Sie liegen direkt am Wasser und spielen sich bei On-Shore-Winden somit komplett verschieden.

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Golf de Seignosse (seignosse-golf.com)

Greenfee 59/79

Die 1989 von Robert van Hagge fertiggestellten Bahnen verlaufen erstaunlich hügelig zwischen alten Korkeichen und Pinienwäldern. Das Design ist modern, die Löcher passen harmonisch zusammen, sind jedoch auch einzeln ein Highlight für sich.

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Golf Club d’Hossegor (golf-hossegor.com)

Greenfee 60/79

Jedes der 1930 zum Spiel freigegebenen Löcher ist rechts und links von einer bunten Mischung stolzer, alter Bäume gesäumt. Architekt Jim Morisson schuf hier im Waldstreifen hinter der Küste, 18 Löcher mit typisch britischer Inland-Atmosphäre.

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Golf d’Anglet Chiberta (golfchiberta.com)

Greenfee 60/85

Der 1926 vom britischen Architekten Tom Simpson entworfene Kurs bietet eine gelungenen Mischung aus harmonischen Parkland-Bahnen und absolut wilden und rustikalen Küstenlöchern, die nur durch einen Schilfzaun von den hereinrollenden Surf-Wellen getrennt sind. Der Blick auf den Leuchtturm von Biarritz ist atemberaubend, zwischen den Löchern müssen kleine Wege überquert werden, auf denen Surfer zu Wellen an Chambre d’Amour oder Plage des Cavaliers pilgern.

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Golf de Biarritz le Phare (golfbiarritz.com)

Greenfee 58/78

Ein Platz von den Dunn-Brüdern, den Harry Colt umbaute. 1945 nahm der Krieg die Küstenlöcher, jetzt ist es eine Parkanlage mit vielen Designeinflüssen. Dienstags ist geschlossen – und  auch an den anderen Tagen weiß man nicht recht, ob man als Gast willkommen ist. Der Platz ist aber ein Muss, mit seinen 130 Jahre Golfgeschichte. Die Bahnen 14 und 15 überkreuzen sich – das gehört irgendwie dazu – und der Blick (vor allem von Loch 9) auf den Leuchtturm erscheint fast märchenhaft.

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