Frische Beute

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Rund um Grüns und knapp am Wald wird besonders gerne geklaut – Diebstahl nämlich hat auf Golfplätzen durchaus Konjunktur.

Der Frankfurter Christian K. (28, HC -12,7) hatte sich etwas Besonderes geleistet. Einen Kramski-Putter im Wert von fast 1.000 Euro. Nur zu gerne hätte Christian K. mit seiner Erwerbung unter seinen Club-Kumpels damit ein wenig angegeben. Doch er hielt sich lieber dezent zurück. Und zog über den in seinem Bag thronenden Putter stets eine verschlissene Haube – mit kindlichen Mickey Maus-Motiven. Auf dass ja niemand den Wert, der sich darunter verbarg, zu erkennen vermochte. Denn Christian K. wusste: Auf Golfplätzen wird bisweilen geklaut, als würden Raben über jedem Green kreisen.

 

Ja, das Green. Ist ganz außerordentlich beliebt bei Langfingern. Denn: Jede/r Golfer/in stellt am Ende einer Spielbahn dort irgendwo sein Bag ab, womöglich nahe eines Gebüsches, und konzentriert sich auf das Einlochen. Eine gute Gelegenheit für hinter dem Gesträuch Lauernde, aus eben jener Schlägertasche Kreditkarte, Geldbörse und vor allem Autoschlüssel zu entwenden. Wo sich die wertvollen Utensilien befinden, hat der Dieb bereits am Parkplatz recherchiert. Wenn der Golfer/in aussteigt und in aller Seelenruhe alles sorglos in dem Bag verstaut.

Der Angriff aus dem Unterholz

 

Sehr beliebt ist der Zugriff aufs Bag auch an Spielbahnen mit viel Wald. Erfahrene Diebe wissen: Golfer, die ins Unterholz schlagen, gibt es reichlich – und während sie dort nach ihren Bällen suchen, hat der Dieb freien Zugriff auf die Golftasche, die aufsichtslos verwaist. Auch Carts bilden ein beliebtes Zielobjekt. Im Kitzbüheler Golfclub Eichenheim zum Beispiel wurden 2016 aus drei Gefährten Gegenstände (vor allem Geldklammern) im Wert von etwa 50.000 Euro stibitzt. Da konnte von den Betroffenen anschließend natürlich nicht mehr ordentlich gezockt werden. Denn aus welchem Grund sonst sollten die Herrschaften so viel Bares mit sich geführt haben? Könnte man annehmen. Aber vielleicht führten sie ihre Schätze ja gerade deshalb mit sich, statt es im Auto oder im Umkleideraum aufzubewahren, weil sie sie im Cart als sicher wähnten!

 

Doch richtig sicher ist man eben nirgendwo. 2016 krallte sich eine Putzfrau (47) mit Wohnsitz Waakirchen am Tegernsee beim nahe gelegenen GC Valley eine Rolex im Wert von 3.000 Euro aus eben einem Umkleideraum. Und beim GC Geroldsbach in Oberbayern wurde 2017 eine komplette Golfausrüstung im Wert von 7.000 Euro sogar aus einer abgesperrten Caddie-Box entwendet.

Vom Drive-Range-Ball bis zum Getränkeautomaten

 

Natürlich ist auch bei den Golf-Anlagen selbst Diebstahl an der Tagesordnung. Andreas Dorsch, Geschäftsführer der Leading Golfclubs of Germany-Vereinigung, weiß von Fahnen, Zubehör, körbeweise Range-Bällen, Handtüchern und sogar wertvollen Pfeffermühlen in Club-Restaurants zu berichten. „Aber eigentlich“, so Dorsch über den „Gentleman-Sport“ (wie er ihn spöttisch mit den Augen zwinkernd nennt), beginnt der Diebstahl ja bereits beim Schwarzspielen und dem heimlichen Rangeball-Einstecken. Die Driving Range-Bälle nimmt der eine oder andere Golfer gerne mit, um sie vor einem gefürchteten Wasserhindernis zu spielen…“

 

Phasenweise ziehen auch ganze Banden in gewissen Gegenden von Club zu Club und karren alles weg, was sie in ihrer organisierten Kriminalität als begehrenswert erachten – die Inhalte gesamter Caddie-Häuser im Winter, ganze Tresore, komplette Getränkeautomaten, Traktoren und andere wertvolle Greenkeeper-Ausrüstung.

 

Ganz besonders beliebt: Der Autoaufbruch auf dem Parkplatz. Dorsch: „Manchmal wird es den Bösewichtern aber auch wirklich leicht gemacht – wenn beispielsweise Golfer voller Hektik einfach vergessen, die Wagentüren oder die Heckklappe zu schließen.“

 

Wie schön für den Dieb. Denn der kann sich in diesem Fall ganz einfach sagen: „Geschenkt…“

 

 

 

 

 

Informationen zum Thema Diebstahl:

Wann zahlt die Versicherung?

„Wenn Bargeld entwendet wird“, so der Regensburger Versicherungsexperte und Single-Handicapper Ralf Scheuerer, „dann hat man Pech gehabt – da zahlt keine Versicherung etwas.“ Und bei simplem Schlägerklau aus dem Bag in der Regel auch nicht. „Das ist ein sogenannter einfacher Diebstahl und der ist nicht versichert.“

Ganz anders verhalte es sich bei Diebstahl aus dem Auto (wenn die Hausratversicherung eine „Außenversicherung“ beinhalte) oder wenn es unterwegs (Hotel, Ferienwohnung) passiert – da könne dann die „Reisegepäckversicherung“ in Kraft treten.

Scheuerer: „Aber es sind oftmals Klauseln enthalten“, das berühmte Kleingedruckte, „die wieder alles aufheben“. Er rät: „Alle Verträge gut durchlesen!“. Und rät vor allem, die Autoschlüssel nicht im Bag aufzubewahren, denn: „Da stellen sich dann manche Versicherungen quer – und weisen darauf hin, dass dieser Autodiebstahl durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde.“

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