Golfland Deutschland

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Ist der Golfsport auf ewig zur Randsportart verdammt oder wird er das Massenhobby der Zukunft einer immer älter werdenden Gesellschaft? Prognosen, welchen Weg Golf in den nächsten Jahren in Deutschland gehen wird, sind schwierig. Grundsätzlich ist das Golfland Deutschland in Sachen Breitensport heute aber gut aufgestellt. Von günstig bis exklusiv, von rein öffentlich bis privat, von zentral bis abgeschieden hat es jede Art von Golfanlage zu bieten.

Von Sebastian Burow und Tim Starke

Nein, man kann nicht sagen, dass es sich Golf in Deutschland immer leicht gemacht hat mit seiner Entwicklung hin zu einer Sportart, die inzwischen zu den zehn größten im Deutschen Olympischen Sportbund zählt. Wie wenig andere hat sich gerade dieses Hobby mit Imageproblemen herumgeschlagen: Zu langsam, zu teuer, zu alt und überreguliert lauteten lange die Argumente gegen Golf, die auch damit zu tun haben mögen, dass Golf hierzulande eigentlich eine Importware ist.

Ende des 19. Jahrhunderts verschlug es den einen oder anderen Briten nach Deutschland, vor allem nach Bad Homburg und nach Baden-Baden, wo man sich gerne in Summer Societies zusammenfand und Golf verbreitete. Am 26. Mai 1907 wurde der Deutsche Golf Verband gegründet. Golf war ein exklusives Vergnügen. 1970 zählte der Deutsche Golf Verband rund 20.000 Mitglieder.

Aus einem exklusiven Hobby für die Elite ist ein Hobby für jedermann geworden

Heute sind es über 600.000. Golf gehört zu den Top 10 innerhalb der im DOSB organisieren Sparten. Die Zuwachsraten liegen seit Jahrzehnten im positiven Bereich, auch wenn sie nicht mehr zweistellig sind. Und: Die Anzahl der Golfer, die inzwischen auf eine Clubmitgliedschaft verzichten und deshalb statistisch überhaupt nicht erfasst worden, ist explodiert. Immer mehr Menschen spielen Golf sporadisch, im Urlaub, auf öffentlichen Plätzen. Golf ist in den letzten fast 50 Jahren zur Livestyle-Sportart mutiert, hat seinen festen Platz in der Presse bekommen.

Der Wettbewerb zieht an

Der Golfsport in Deutschland hat sich inzwischen fest etabliert. Bei mehr als 700 Anlagen hat man eine Größe erreicht, in welcher der Sport längst ein Wirtschaftsfaktor ist und deshalb auch mit jenen Problemen kämpft, die Wirtschaftszweige betreffen. Ähnlich wie bei Fitness-Studios geht es darum, Mitglieder zu werben und dann vor allem zu binden. Standortvorteile, Ausstattung und Service spielen eine Rolle.

Golfplätzen ergeht es wie Tennisanlagen – wer unrentabel arbeitet, muss schließen

Mit im Bereich von einer Million Euro Betriebskosten pro Jahr, schreiben viele Golfanlagen Deutschlands mit Ach und Krach eine schwarze Null. Der Platz – also dessen Pacht und Pflege – und das Personal sowie der Maschinenfuhrpark bilden die größten Kosten. Demgegenüber stehen neben den Einnahmen über Mitgliedsbeiträge die Greenfeeeinnahmen als hauptsächlicher Posten. Sie werden einerseits immer wichtiger. Andererseits sind sie unkalkulierbar, weil speziell das Wetter eine große Rolle spielt.

Längst sind auf fast allen Golfanlagen Manager Standard. Dadurch sind zwar die Personalkosten höher, andererseits steigt aber auch die Profitabilität der Anlage. Generell geht man davon aus, dass rund 800 Mitglieder plus gute Auslastung an zahlenden Gästen zur Kostendeckung nötig sind. Nicht jede Anlage ist in diesem Hinblick gesund aufgestellt, einige müssen kämpfen. Wirtschaftliche Pleiten werden da normal. 2015 wurde der erste Golfplatz wieder renaturisiert. Das hat zu viel Aufregung geführt – obwohl Konkurse auch bei Fitnessstudios oder Tennisanlagen gang und gäbe sind.

Gefragt sind pfiffige Konzepte

Gleichzeitig feiern andere Golfanlagen eine Erfolgsgeschichte mit neuartigen, flexiblen Clubkonzepten oder besonders hoher Qualität – der Wettbewerb ist eben angekommen in der deutschen Golfszene und trägt in ganz Deutschland zu einem deutlichen Qualitätsanstieg bei. Die Zeiten der britischen Summer Societies sind endgültig vorbei.

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