“Ich bin dann mal weg…”

Ponte Vedra Inn & Club

Floridas Nordosten punktet mit Beschaulichkeit, Natur, Historie – und dem berühmtesten Par 3-Loch der Welt

“Na Schätzchen, dann mach’ Dich mal auf was gefasst.” Die Ansage ist vielversprechend. Die Dame hinter der Theke auch: Übergroßes Tanktop, viel gut sichtbare gebräunte Haut, ein sympathisches Lächeln im Gesicht. Was folgt, ist ein Schnapsglas mit Ananas-Rum, das sie vor mir auf die Theke knallt. Die Marlin & Barrel Distillery in Fernandina Beach, zu finden in einem Blechschuppen mitten in dem kleinen pittoresken Ortskern des Städtchens an Nordfloridas Ostküste, hat sich spezialisiert auf Rum plus Sunshine-Geschmack. “Orange natürlich in Florida”, meint die Bardame, “aber Lime läuft auch gut”. Roger Morenc, der Besitzer, hat mit dem Florida-Rum sein neues Glück gemacht. Seinen Job als Datenanalyst in der Luftfahrtindustrie war er leid, er suchte nach einem neuen Geschäftsmodell und endete in Fernandina Beach. Er hat seinen Schritt nie bereut.

Amelia Island: Auszeit für Natur-Liebhaber

Oak Marsh #9 1-12_webSo wie all die anderen, die man irgendwann und irgendwo an diesem Küstenabschnitt trifft: Den Ex-Siemens-Ingenieur, der jetzt drei Jahre lang mit seiner Frau im Campmobil durch die Nationalparks tourt und am Sandstrand von Amelia Island seinen ersten Stopp eingelegt hat. Den Koch aus New York, der 200 Meter vom Hafen entfernt ein kleines Restaurant aufgemacht hat, weil ihm der Lärm und die Hektik von New York City auf die Nerven gingen. Den Polizeichef, den es von Fort Lauderdale nach Amelia Island verschlagen hat. In Fort Lauderdale, sagt seine Frau Susan, waren Morde an der Tagesordnung – in Amelia Island wird ab und an mal ein Fahrrad geklaut.

“Ich bin dann mal weg” – dieser Hape-Kerkeling-Satz ist wohl in wenigen Regionen Floridas so passend wie hier. Die Grenze zu Georgia liegt vom Fort Clinch Park auf Amelia Island in Sichtweite. Das exklusive Millionärsparadies Sea Island ist gefühlt Welten entfernt. Auf Amelia Island landet, wer Schildkröten beobachten will, stundenlang am Strand wandert – oder Golf spielt. Mit acht 18-Löcher-Golfplätzen ist die Insel gut bestückt, wer genauer hinsieht, entdeckt erstklassige Layouts gepaart mit schönen Verläufen am Meer und im Marschland – das Ganze noch zu vergleichsweise erträglichen Greenfee-Preisen.

Omni_webStararchitekt Pete Dye baute 1972 den Oak Marsh Course fertig, nicht lange nachdem er auch das weltbekannte Harbour Town Golf Links geschaffen hatte. Vieles in Oak Marsh ähnelt dem Turnierplatz auf der Golfer-Insel Hilton Head, die nur 2,5 Fahrtstunden weiter im Norden liegt. Die kleinen, ondulierten Grüns, die Holzpalisaden an den Halbinsel-Grüns, die engen Fairways. Der Unterschied: Statt der Massen-Abfertigung im Clubhaus von Harbour Town wartet in Oak Marsh ein einziger Pro. Auf der Driving Range kommt man nach fünf Minuten mit ein paar Anwohnern ins Gespräch und nach der Runde sitzt man ein Weilchen alleine auf der Holzterrasse und blickt auf das Marschland.

Nicht, dass Tourismus hier kein Thema wäre. Das Omni Resort und das Ritz Carlton Hotel, die beiden führenden Hotels der Insel, sind mit Blick auf ihre Hoteltürme nicht gerade unterdimensioniert. Das Immobilienbusiness brummt und die Baukräne an der Hauptstraße auf der Insel verraten – die Tourismusmaschinerie Floridas nähert sich unvermeidlich aus dem Süden, wo entlang der Küste ohnehin schon jeder Quadratmeter zugepflastert ist. “Hier oben wird es voller werden”, sagt die Frau des Polizeichefs. Sie weiß noch nicht, ob sie das gut finden soll.

St. Augustine und Sawgrass: Die älteste Stadt und das berühmteste Par 3 der USA

Entlang der Küste Richtung Süden bekommt man noch ein Gefühl davon, wie ganz Florida war, bevor das Immobilienbusiness alles für sich vereinnahmt hat. Wer langsam und gemächlich die A1A von Amelia Island auf der vorgelagerten Landzunge Richtung St. Augustine herunterfährt, passiert die langgezogen Naturschutzzonen der Guana River Naturschutzzone. Es sind Freiräume, welche die Behörden Florida gegönnt haben. Gäbe es sie nicht, müsste man sich wohl überall an dieser mit endlos weißen Stränden gesegneten Küste mit riesigen 5-Sterne-Urbanisationen abfinden, wie sie so nur sehr vereinzelt auftauchen. Hammock Beach und Hammock Dunes, mit zwei 18-Löcher-Plätzen von Jack Nicklaus und Tom Watson sind ein Beispiel für die vielstöckigen Riesenhotels mit üppigen Suiten, perfektem Ausblick aufs Meer und all jenem Drumherum, was First-Class-Resorts heute eben so bieten.

Reunion Resort HB1106-083Wer auf der Suche nach der Sonne und dem Meer womöglich noch so ein klein wenig Edward-Hopper-Feeling sucht, dieses Mischmasch aus Häuschen in Pastellfarben auf Stelzen mitten in den Dünen, findet entlang der A1A noch so manches kleine B&B oder Privathaus, das auf einen Ferienmieter wartet. Eines davon, ganz in Dunkelblau gehalten und ein Stückchen größer als ein Ferienhäuschen, gehört John Grisham. Mit Blick auf Sand und Meer muss das Schreiben der Krimis offenbar leicht von der Hand gegangen sein. Und wenn nicht, hatte er einen kleinen Coffe-Shop, irgendeine Strandbar gleich um die Ecke.

Den leicht historischen Charme, den gerade der Europäer so oft in Amerika vermisst, kann man in Floridas Nordosten noch entdecken. In St. Augustine, wo kleine Bars, unzählige Shops und nette Restaurants längst die Oberhand gewonnen und klassische US-Ketten eher zu Außenseitern gemacht haben, stößt man auf Kolonialarchitektur und die Spuren der spanischen Eroberer, die hier 1562 landeten.

Weltklassegolf liegt direkt um Ecke. Vom bedächtigen St. Augustine mit seinen gerade einmal rund 14.000 Einwohnern zu TPC at Sawgrass, dem Hauptquartier der amerikanischen PGA Tour, sind es gerade einmal 20 Minuten mit dem Auto. Hier hat die Bedächtigkeit ein Ende. Die Mayo Clinic ist um die Ecke, die Stadt Jacksonville boomt und am Küstenstreifen von Ponte Vedra Beach reiht sich ein Multi-Millionen-Gebäude ans andere. Der Geldadel der USA fühlt sich hier schon lange wohl. Wer im Winter nicht in Kalifornien oder Palm Beach die Sonne genoss, fühlt sich hier schon lange wohl. Das Resort Ponte Vedra Inn & Club wuchert mit dem Glanz alter Zeiten, erfreulicherweise ist er nicht abgenutzt. Der Gast erholt sich zwischen Beachterrassen, Einkaufsgallerien, einem High-End-Spa und zwei erstklassigen Golfplätzen mit Blicken aufs Meer. Die Sonne strahlt und die Welt ist perfekt. Hier glitzern die Juwelen, die Golfcarts sind auf Hochglanz poliert und  die Outdoor-Typen und Aussteiger, die wir noch in Amelia Island getroffen haben, würden sich hier wohl eher unwohl fühlen.

North Hampton Bridge Mar 0166-1_webDas Golf-Mekka der einen wie der anderen findet sich ohnehin ein Stückchen landeinwärts. Am 16. Mai 1978 skizzierte Pete Dye seine erste Ideen für den Stadium-Platz auf ein Blatt Papier. Dort, wo er in den folgenden zwei Jahren anfing, zusammen mit seiner Frau Alice aus dem Sumpfland zwei Championship-Plätze zu graben, Mulden und Hügel zu schieben, Teiche zu heben und Grüns anzulegen, liegt heute neben dem Valley Course der Stadium Course von TPC of Sawgrass mit dem 17. Loch und dem berühmtesten Inselgrün der Welt. Die Golfbahn, die an einem normalen Tag für einen normalen Amateur bei 125 Metern Länge scheinbar kurz und kinderleicht scheint, entwickelt sich an einem Turniertag im März 2019 zum Hexenkessel, wenn tausende Zuschauer rund um das 17. Loch jubeln und brüllen.

Das fünfte Major der Welt, wie man die Players Championship inoffiziell nennt, ist ein Härtetest, der alljährlich die Besten der Welt an ihre Grenzen bringt und dem normalen Golftourist ein Gefühl davon vermittelt, was der Begriff Schwierigkeit im Golfsport wirklich bedeutet. Den Stadium wie den ebenfalls erstklassigen Valley Course kann man als Tourist problemlos bespielen. Wer sich im Marriott Hotel einbucht hat täglich Zugriff auf die Startzeiten. Allerdings muss man sich auf dem Stadium Course auf eine Greenfee zwischen 350 und 500 Dollar, je nach Package und Saison, einstellen und auch auf dem Valley Course sind Raten zwischen 150 und 225 Dollar angesagt. Die Auffahrt zu einem der größten Clubhäuser Amerikas, das majestätisch auf einer kleinen Anhöhe thront, ist dafür inklusive, die Grüns und Fairways haben nicht ganz Augusta-National-Niveau, aber viel fehlt nicht. Und wer sich eine ganz besondere Erfahrung gönnen will, kann sich im  angeschlossenen TPC PGA Performance Center seinen Schwung von Todd Anderson auf Vordermann bringen lassen, der sich ansonsten eigentlich nur um Weltklassespieler kümmert. Das ist dann die ganz große Bühne, zumal das Trainingsgelände mit einer normalen Driving Range so viel Ähnlichkeit hat wie ein Amateur-Schwung mit der Schlagbewegung von Tiger Woods. Und wer Glück hat, findet sich neben einem Profi wieder, der gerade an seinen Abschlägen feilt.

Daytona Beach: Das Speedway und Nascar-Mekka

Nascar_Daytona_Beach_shutterstock_670460269_webVerglichen mit der Exklusivität und High-End-Ausstattung der PGA Tour wirkt die Zentrale des weiblichen Gegenstücks, der LPGA Tour, extrem normal. Eine 36-Löcher-Anlage im Hinterland von Daytona Beach. Zwei gute Golfplätze und ein typisch amerikanisches Clubhaus. Kein Glamour, kein Glitzer – aber wer nach Daytona Beach kommt, sucht danach ohnehin nicht. Amerikas Hauptstadt der Autorennen ist bekannt für ihr 500 Nascar-Rennen, für das imposante Speedway-Stadium mit fast 170.000 Plätzen, für rauchende Reifen und das eine oder andere abgedrehte Autorennen am Strand. Die Strandpromenade erinnert an Mallorcas Ballermann zu seinen besten Zeiten, aber die PS-Fangemeinde ist von der Unzahl an Kneipen, Tabledance-Bars und Strandshops offenbar begeistert. Zwischen der Ruhe und Abgeschiedenheit Amelia Islands und diesem Hotspot für Speedwayfahrer liegen Welten – authentisch aber ist Florida hier wie dort.

Hotels und Plätze:

Omni Amelia Island Plantation Resort: Historisches 5-Sterne-Resort direkt am Strand mit den Golfplätzen Oak Marsh und Long Point. Das PGA Tour Package inklusive einer Runde Golf startet ab rund 170 Euro die Nacht pro Zimmer.

www. Omnihotels.com

Ritz Carlton Amelia Island: Das eleganteste Hotel der Insel, ebenfalls direkt am Strand gelegen. Dazu gehört der Amelia Island Golf Club. www.ritzcarlton.com Zimmerpreise ab zirka 400 Euro aufwärts.

Elizabeth Pointe Boutique Hotel: Sehr hübsches 3-Sterne-Hotel direkt am Strand. Die Golfplätze liegen zirka zehn Minuten entfernt. Preise ab zirka 230 Euro pro Zimmer/Nacht aufwärts.

www.elizabethpointameliaisland.com

Sawgrass Mariott Golf Resort & Spa: 5 Sterne Hotel direkt neben TPC at Sawgrass, das einige gründliche Renovierungsprozesse hinter sich hat. Das Stadium-Course-Package beginnt bei 480 Dollar pro Person. www. marriott.com.

Ponte Vedra Inn & Club: 5-Sterne-Luxus-Resort mit zwei eigenen Golfplätzen direkt am Meeer. Üppige Meerblicke, erstklassiges Design und 1a-Pflegezustand. Packages beginnen bei 249 Dollar pro Tag und Person.

www.pontevedra.com/inn_and_club/

The Shores Resort & Spa, Daytona Beach: Das 4-Sterne-Resort direkt am Strand verfügt über komplett renovierte Zimmer und eine sehr gute Küche. In Daytona Beach die erste Wahl. Der DZ-Preis beginnt bei zirka 100 Euro.

www.shoresresort.com

Hammock Beach Resort: Ein riesiges Resort direkt an der Küste zwischen St. Augustine und Daytona Beach. Am idyllischsten ist die kleine Lodge im Clubhaus direkt am Strand. In den großen Appartementhäusern werden Hotel-Suiten vermietet. Die beiden Plätze bieten Blicke aufs Meer, sind erstklassig gepflegt – haben reichlich Immobilien rechts und links der Fairways.

www.hammockbeach.com

World Golf  Hall of Fame

Unweit vom Städtchen St. Augustine entfernt liegt die 1998 hier eröffnete World Golf Hall of Fame, die vorher in Pinehurst beheimatet war. Das Museum ist für Golf-Interessierte kein Muss, bei Schlechtwetter aber einen Ausflug wert. Daneben liegen zwei Golfplätze von Jack Nicklaus und Arnold Palmer (The King, Slammer & Squire). Beide sind guter Durchschnitt, haben aber keinen Meerblick.

Tee-Times und Preise

Der Golfmarkt in den USA hat sich längst von Festpreisen verabschiedet. Stattdessen unterliegen Greenfee- und Hotelpreise je nach Auslastung einem täglichen Wandel. Auf Golfer spezialisert ist die Agentur Florida’s First Coast of Golf, die sämtliche Resorts und Plätze entlang der Nordost-Küste Floridas betreut, über sehr viel Detailwissen verfügt und sowohl Startzeiten wie Packages auch kurzfristig anbietet. Mehr Infos unter www.fla-golf.org

Die Greenfeepreise variieren sehr stark je nach Lage, Saison und Wochentag. Während Sie für einen Spitzenplatz wie den Stadium Course von TPC at Sawgrass unter Umständen einen Spitzenpreis von über 400 Dollar zahlen müssen, können Sie auf anderen Plätzen auch Startzeiten um die 40 Dollar buchen und trotzdem erstklassige Kurse wie zum Beispiel den Golf Club North Hampton auf Amerlia Island spielen. Auch die beiden Plätze des LPGA Headquarters in Daytona Beach liegen im Winter nur bei 79 Dollar und sind immerhin zigmal Schauplatz der Qualifying School gewesen.

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