Kultsache

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Camping & Golf: Eine Kombination für besondere Ausflüge. In Grado an der Adria treffen sich die Fans.
Text: Jupp Suttner

Es ist die letzte Bahn. Die gefürchtete 18. Ein Par 3-Inselgrün. Und es geht nun um Alles oder Nichts. Weshalb Martin mit einer Entschlossenheit wie vielleicht noch nie auf die Kugel drischt. Als solle sie zerbersten. Doch wie immer, wenn zu viel Gewalt im Spiel ist, ist das Spiel rasch aus. In diesem Fall: Der Ball – zu dünn getroffen – fliegt nur etwa hundert Meter weit. Dann: Platsch – im Wasser. Jubelnd reißen Martins Zock-Gegner Georg, Fritz und Freddy, die bereits alle das Green erreicht haben, die Arme in die Höhe: „Jaaaaa!“ Die große Schlacht ist entschieden. Die Schlacht, wer heute Abend den Abwasch auf dem Campingplatz zu besorgen hat.
Die Rede ist vom Campingplatz Tenuta Primero – der genau gegenüber dem Golfplatz von Grado liegt. Wobei es sich um die einzige Camping-Golf-Kombination Europas, wenn nicht gar der Welt, handelt, die vom gleichen Eigentümer betrieben wird: der Familie Marzola, die auch noch berühmte Skihütten in Südtirol und Kitzbühel führt.

Rund 50 Runden pro Woche werden von Golfer(innen) gespielt, die auf dem Campingplatz logieren. Der Weg ist kurz: einfach über die Straße gehen – und abschlagen. 59 Euro kostet das Greenfee werktags – für auf dem Campingplatz-Logierende nur 40 Euro (täglich). Martin, Georg, Fritz und Freddy betrachten den Aufenthalt dort als jährliches Highlight: Jeden Herbst düsen sie von München in fünf Stunden nach Grado, mieten sich auf dem Campingplatz einen Bungalow, zocken tagsüber auf dem Golfplatz um die Wette und klopfen abends in ihrer Behausung Schafkopf bis zum Abwinken. 51 Wochen lang freuen die Vier sich auf den Trip in den nordöstlichsten Winkel der Adria, unweit von Triest – eine Woche lang spielen, spielen, spielen… na ja, und eben auch spülen. Martin hat es in dieser Woche bereits zum dritten Mal erwischt.

Der Golfplatz Grado – 365 Tage im Jahr geöffnet – ist berühmt. Nicht nur für seine Tierwelt mit Flamingos, Wildschwänen oder possierlichen Nutria-Biberratten, sondern auch für seine Promis wie Ski-Olympiasieger Franz Klammer etwa oder den italienischen Ryder Cup-Spieler Costantino Rocca, die beide immer wieder hier mal auftauchen. Sie wissen: Der Parklandkurs ist tricky. An allen Löchern des Par 72-Kurses kommt Wasser ins Spiel! Damit versenken etwa 10.000 Greenfee-Spieler pro Jahr rund 18.000 Bälle, die dann vom Golfballtaucher aus den Gewässern geborgen werden. An manchen Tagen glaubt man deshalb eine Art schelmisches Lächeln im Gesicht jener Statue zu erblicken, welche unweit des 18. Loches steht. Sie zeigt Gianni Marzola, den Gründer des Campingplatzes (1962) und der Golfanlage (1996), der an Loch 15 verstarb. Womöglich wegen eines Wutanfalls in Folge eines im Wasser versenkten Balles.
Jetzt führt Sohn Ivan, in den 90iger-Jahren als Alpin-Skifahrer beachtlicher 5. beim Weltcup-Rennen auf der Kitzbüheler Streif, die Geschäfte. Bruder Federico fungiert als Boss des Campingplatzes.

Was die Wasser-Sache – eine gewissermaßen permanente mentale Herausforderung – etwas erleichtert: Der Kurs ist topfeben, besitzt keinen Wald und erscheint auch dank kurzer Verbindungswege mit 5746 Metern vom gelben Herrenabschlag als nicht allzu lang. Ganz besonders attraktiv: Die Bahnen 5 und 6 führen direkt an einer Lagune entlang – und man blickt dabei auf das Kloster Barbana. Was für noch mehr Demut sorgt. „Wenn man diesen Platz gespielt hat“, verrät uns einer der Spitzengolfer des Clubs, „hat man nirgendwo mehr auf der Welt Angst vor Wasser.“

Höchstens, wenn es um den Abwasch geht.

Infos:

Nicht nur für Feriengäste auf dem überaus edlen Campingplatz gibt es Greenfee-Ermäßigung (Details siehe Story), sondern auch für Damen (Dienstag nur 19 Euro für 18 Löcher) und Senioren (Mo und Do je 39 Euro).

Wer statt auf dem Campingplatz (ab 44 Euro die Nacht pro Bungalow,www.tenutaprimero.com ) lieber in einem Hotel nächtigt, genießt bei verschiedenen Häusern 15 % Greenfee-Nachlass. Besonders leicht und luftig: das chice Residence Hotel Hungaria ( www.hungariagrado.it ), denn Stefan Maiwald, Gatte der Besitzerin, weiß als HC 2-Spieler alles über den Platz sowie auch über die Region, denn er betreibt den berühmten und amüsanten Blog www.postausitalien.com

Unbedingt besuchen: Die Affenbar am Yachthafen des Campingplatzes. Hieß ursprünglich Hafenbar, doch da dies kein Italiener aussprechen konnte, wurde daraus die Affenbar.

Für die Campingplatz-Urlauber werden gelegentlich Golf-Schnupperkurse veranstaltet. www.golfgrado.com/de/

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