Sommerfrische

Golfplatz Panorama_Sommer 2018_ASA Valentin Luthiger (4)

Wenn es heiß wird im Sommer, zieht es den Golfer zu den Gipfeln und Grüns im Gebirge.

Von Petra Himmel und Jupp Suttner

Sobald unten im Tal dumpf die Hitze über den Golfplätzen liegt, zieht es die Golfer hinauf in die Berge. Sommerfrische, dieser Begriff aus dem 19. Jahrhundert, der für die Landlust der Städter stand, hat im Golftourismus Bestand. Schließlich gibt es wenig, was ähnlich viel Reiz hat wie eine Golfrunde auf 1.700 Metern im
August, wenn in der Ferne auf den Gipfeln die letzten Schneeflecken liegen, die Vegetation für ein paar Wochen zu explodieren scheint und sich die Golfbahnen in bestem Hellgrün durch eine oft karge Alpenlandschaft ziehen.

Mondäne Kurorte und neue Resorts

Die Schweiz, Südtirol und Österreich sind unsere Ziele, weil sie vergleichsweise nahe an der Grenze Süddeutschlands schnell die Kombination aus gutem Golf, herausragender Landschaft und erstklassiger Hotellerie zu bieten haben – wobei dem Gast in den alpinen Gebieten eines klar sein muss: Das Hochgebirge fordert dem Golfplatzbau, ab und an auch der Golfplatzpflege, einiges ab. Auf dem Südtiroler Golfplatz von Völs etwa ist die Bahnführung, gelinde gesagt, verwegen. Die Ausblicke sind spektakulär, aber auch die Schräglagen und die Ab- und Anstiege haben es in sich. Wer in den Dolomiten Spitzengolf auf internationalem Niveau sucht, ist hier falsch. Die Kombination macht es:  alte Obstbäume am Fairwayrand, das Massiv des Schlern im Hintergrund, Meran als Ausflugsziel um die Ecke und mit dem Romantik Hotel Turm ein Hotel, das in Sachen Atmosphäre, Individualität und Gastronomie kaum zu schlagen ist. Das alles kombiniert, wird zum Genussurlaub.

Anders in St. Moritz und in Andermatt: Hier trifft der Golfer auf über 1.400 Meter Höhe zum Teil auf erstaunlich flache Golfplätze, die mit guter Bahnführung und beeindruckender Landschaft und Vegetation locken.  Dazu kommt die bekannte Schweizer Hotellerie der Extra klasse. In St. Moritz schlägt dem Gast im Kulm Hotel an jeder Ecke Tradition entgegen – erfreulicherweise verpackt in modernen Komfort und Spitzen-Service.

AndermattAndermatt kann mit der Atmosphäre und dem Flair von St. Moritz noch nicht mithalten.  Die Einbettung der Spitzenhotellerie in das ursprüngliche Tal ist keine zehn Jahre her, das Chedi Andermatt ist herausragend, aber vom neuen Radisson Blu blickt der Gast auf Baucontainer – und Kräne. Die Golfplätze allerdings überzeugen: Realp und Sedrun sind pittoreske, kleine 9-Löcher-Anlagen, Andermatt ein gelungener 18-Löcher-Platz. Einer Hochgebirgstour für Golfer steht also nichts im Wege.

Labsal im Salzburger Land

Golf Alpin Golfclub BrandlhofWo aber in Österreich für eine Golf-Sommerfrische absteigen? Klassisch wäre das Salzkammergut, wo Kaiser Franz Joseph I. einst samt seiner Sisi diese Art des Urlaubs kreierte und wo mit 19 Badeseen und einigen Golfplätzen K.u.k.-gemäß abgeschlagen werden kann. Wen es jedoch für eine Abkühlung ins Gebirge zieht, der sollte sich der „Golf Alpin“-Vereinigung zuwenden –  einem Zusammenschluss mit mehr als 40 Clubs in Tirol und im Salzburger Land. Deren gemeinsame Klammer: eine Urlauber-Card mit Greenfee-Ermäßigungen. Wo bei dem vielfältigen Angebot jedoch seine Zelte aufschlagen? Eine gute Lösung: im Pinzgau des Salzburger Landes, genauer gesagt im Saalachtal nahe Saalfelden. Denn wer sich dort niederlässt, der findet nicht nur zwei wunderbare 18-Loch-Anlagen (Brandlhof und Urslautal) vor, sondern kann von dort aus innerhalb von 60 Minuten Autoentfernung 36 weitere Golf-Kurse  ansteuern: von Kitzbühel bis Zell am See. Golf total sozusagen.

Südtirol: Völs am Schlern

HauptfotoAuf 880 Metern ist die Luft ganz klar. Der Blick fällt schon beim Frühstück auf das gewaltige Massiv des Schlern. Unsere Lieblingstour hat das Romantik Hotel Turm im kleinen Ort Völs am Schlern zum Ausgangsort, von dem es zehn Minuten zum Völser GC, 30 nach Eppan zu Blue Monster und knapp über eine Stunde zum GC Passeier sind. Das Hotel ist ein bezaubernder Ort, von dem man sich kaum wegreißen kann. 800 Jahre Geschichte machen eben Atmosphäre. Dazu kommt eine Kunstsammlung mit 2.500 Werken, darunter zwei Dalis, die jeden Teil des Hotels prägt. Inhaber Stephan Pramstrahler ist ein Macher, der querdenkt und aus seinem 5-Sterne-Hotel einen besonderen Ort gemacht hat. Wer ihn trotzdem kurzzeitig verlässt, genießt zwei Golfplätze in luft iger Höhe und in Eppan einen 9-Löcher-Platz mitten im Obstanbaugebiet. Mit Landschaft und Blicken wird gewuchert. Es ist ein Ort zum Durchatmen. Herrlich!

Österreich: Salzburger Land

Urslautalcopyright Ales Fevzer-01 (1)Nichts ersehnt sich der hitzegeplagte Golfmensch im Hochsommer mehr als etwas Schatten auf dem Platz. Geradezu perfekt prädestiniert für diese Anforderung: zur Nachmittagszeit den 18-Loch-Kurs des Hotel & Golfclub Gut Brandlhof im Pinzgau im Salzburger Land bespielen – eine Labsal! Wobei die Sommerfrische-Erfrischung bereits in Ihrem Zimmer des 4-Sterne-Hauses beginnt: Falls Sie etwa Nr. 281 oder einen Nachbarraum gewählt haben, bietet sich nämlich ein wunderbarer Blick auf einen Wasserfall. Auf dem flachen, teils engen Kurs gilt es, sechs Mal die Saalach zu überspielen – gleichfalls eine Erfrischung, dieses reißende Nass, häufig jedoch auch für die Bälle. Weitaus off ener präsentiert sich der zehn Autominuten entfernte 18-Bahnen-Kurs Urslautal bei Maria Alm. Dort grüßt ständig der Hochkönig die GolferInnen. Grüßen Sie ihn zurück – mit einer erfrischenden Spielweise.

Graubünden: St. Moritz

Kulm Golf 1 (2000x1335)Der Name lockt. Er ist klangvoll, er steht für Luxustourismus in den Bergen, Historie, große Namen, den Jetset. St. Moritz ist der berühmteste Kur- und Wintersportort der Schweiz – und im Sommer zum Golfen ein Ziel, das häufig unterschätzt wird. Das Kulm Hotel auf 1.822 Metern mit seinen Toprestaurants, einem perfekten Spa und üppigen Zimmern ist der Inbegriff des Tourismus. Hier wurden die Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 eröff net, hier betreibt man die legendäre Sunny Bar, wo Gunther Sachs & Co bis zum Abwinken feierten. Zum Hotel gehört der charmante 9-LöcherPlatz von Kulm. Zu den (gänzlich flachen) 18 Löchern von Samedan sind es zehn Minuten. Kleine Bäche rauschen, Kiefern stehen knorrig am Fairwayrand. 1893 wurde hier der älteste Golfclub der Schweiz, der Engadine Golf Club, gegründet. Zuoz-Madulain ist die deutlich hügeligere Variante – zehn Kilometer entfernt.

Uri: Andermatt

Andermatt,Swiss Alps,GolfKurz vor dem Oberalppass, auf 1.447 Metern, liegt Andermatt. Ein karges Tal, das im Sommer einige Wochen lang zu einer faszinierenden Landschaft wird, in der man weit weg ist von Verkehr, Stress und Hektik. Das Andermatt Swiss Alps Resort hat das Tal auf den Kopf gestellt. Ein 18-Löcher Golfplatz und das Luxushotel Chedi Andermatt machten 2013 den Anfang einer touristischen Entwicklung, die am Ende sechs Hotels, Ferienwohnungen, Kongresseinrichtungen und Wintersport umfassen soll. Vor kurzem hat eine Konzerthalle eröff net – Bausumme 21 Millionen Franken. Die Golfsaison ist kurz hier oben, aber sie lohnt einen Ausflug. Der Blick fällt auf die schneebedeckten Gipfel oder das glasklare Wasser der Bäche. Kleine Bergorchideen wachsen am Fairwayrand und nach der Runde geht man im Dorf Andermatt bummeln. Die Integration des Resorts in den Ort war am Anfang nicht einfach – jetzt ist es akzeptiert.

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