Symbiose

Symbiose-1

Egal, ob im Bunker oder auf dem Grün: Während einer Runde Golf kommt der Mensch der Tierwelt oft sehr nahe. Eine Bereicherung für beide Seiten.
Von Frieder Pfeiffer

Das Bild vom Krokodil nahe dem Abschlag vom letzten Afrika-Urlaub, die Kängurus auf einem australischen Grün und der Biber am Wasserhindernis: Das alles sind Lieblingsmotive von Golfern. Dies ist eben auch ein Sport mit Tieren – und das nicht nur auf Plätzen irgendwo im exoti- schen Ausland. Wacholderdrosseln, Stieglitze, vielleicht ein paar Grauschnäpper finden sich auf vielen deutschen Golf- plätzen – dazu Reptilien, Fische, Käfer, Falter, Libellen, Heu- schrecken. 18 Löcher sind bei genauer Betrachtung auch immer ein kleiner Zoobesuch. Zwischen Fairways und Grüns gibt es Leben, die Frage ist nur: wegen oder trotz der Golfer? Sorgt der Golfsport für tierische Vielfalt auf dem Kurs, oder wird durch das viele Mähen und die vielen Menschen womög- lich gar die eine oder andere Art reduziert?

Die Antwort ist, wie so oft, nicht so einfach. Ist ein Golfplatz nach modernen Vorgaben gebaut und geplant, verfügt die Anlage also über ausreichend Ausgleichsflächen, auf denen die Natur sein darf, wie sie ist, entsteht tatsächlich Raum, der Tieren deutlich besser bekommt als intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche.

Schon 2002 stellte das Bundesamt für Naturschutz in einer gemeinsamen Broschüre mit dem Deutschen Golf Verband einen „deutlichen Umdenkungsprozess“ fest: Viele der formu- lierten Anforderungen an umweltverträgliche Golfanlagen würden inzwischen „selbstverständlich berücksichtigt“. Und mehrere Studien bestätigen, dass ein intelligent geplanter Golfkurs durch Biotopverbünde Lebensräume schafft. 32 Libel- lenarten wurden vor Jahren beispielsweise in einem Golfclub in Niedersachsen durch mehr Lebensraum mit Gewässern gezählt, mehr als doppelt so viele wie vor dem Bau des Golf- platzes. Nicht immer geht es um besser oder schlechter: Gewässer beispielsweise sorgen auch qualitativ für Verände- rungen des Vogelbestands. Zwergtaucher oder Teichrohrsän- ger vermehren sich oder kommen neu dazu. Allerdings gingen Arten wie das Rebhuhn, das sich gern in Agrarlandschaften aufhält, auch zurück.

Wer die Tierwelt fördern will, braucht vor allem sogenannte Extensivflächen zwischen den Bahnen, die kaum bearbeitet werden. Bis zu 50 Prozent machen diese Flächen auf neueren Golfplätzen inzwischen aus. Das freut die Vogelschützer, kos- tet Golfpächter durch größeren Platzbedarf aber auch Geld. Bei durchschnittlich knapp 1.000 Euro Pacht pro Hektar in Deutschland kommen da stattliche Beträge zusammen.

Trotzdem ist für Marc Biber vom Deutschen Golf Verband klar, dass es wichtig ist, die Qualifikation der Greenkeeper weiter zu verbessern „und ihnen neben vegetationstechni- schem Know-how auch naturschutzfachliches Wissen“ zu ver- mitteln. Die Vereinbarkeit der Interessen von Tierwelt und Golfsport ist zwar nicht immer einfach, in der Regel aber emp- finden die meisten Golfer die Begegnung mit Rehen, Frö- schen, Libellen oder Bibern als Genuss. Schon deshalb lohnt der Aufwand.

Teilen:Email this to someoneShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Print this page