Weltklasse

Albertsons Boise Open – Round One

Die Porsche European Open in Hamburg lockt mit einem Spitzenfeld. Mit dabei: der Masters-Zweite 2019 Xander Schauffele. Und der hat seine ganz eigene deutsche Historie.

Von Petra Himmel

Er ist der Typ, den man erst einmal nicht erkennt. Würde der 25-Jährige auf der Driving Range den anderen Profis als Hilfskraft die Ballkörbe anreichen, 99 Prozent der Zuschauer der Porsche European Open würden ihn nicht beachten. Und das, obwohl er Deutscher ist. Alexander Victor Schauffele ist unauffällig, schmächtig, kein Social Media Star – aber im Golfsport ist er eine große Nummer. Eine richtig große. Und rein theoretisch ist er die deutsche Nummer 1.

Multinationalität sei ein Ziel seines Vaters gewesen, erklärt er die ein wenig seltsame Tatsache, dass er in der Rangliste der weltbesten deutschen Profis auf Position 1 vor Martin Kaymer geführt wird. Vater Stefan ist Deutscher, mit Golf hatte er eigentlich nichts zu tun. Sein Großvater Richard Schauffele war von 1919 an Stürmer beim VfB Stuttgart und trat außerdem als Leichtathlet für die Stuttgarter Kickers an. Enkel Stefan wurde Zehnkämpfer mit Ziel Olympia – bis ihm ein betrunkener Jugendlicher frontal ins Auto fuhr. Der 22-jährige Stefan Schauffele verlor links sein Augenlicht, hielt die ständige Konfrontation mit dem Unfallort in Stuttgart nicht aus. Er wanderte aus nach Kalifornien und entdeckte Golf für sich. Als er mit seiner Frau, einer Taiwanesin mit teilweise japanischer Familie, zwei Söhne bekam, lernten sie Golf von ihm.

 Längst Weltspitze – Nur Major-Titel fehlen Schauffele noch

Sein Sohn Xander Schauffele, inzwischen 25 Jahre alt, nahm die Option der doppelten Staatsbürgerschaft in Anspruch, obwohl er nie nach Deutschland fuhr. Das Publikum der Porsche European Open wird sich also erst anfreunden müssen mit dem neudeutschen Golfstar, der unabhängig vom Nationalitäten-Thema aufgrund seiner Leistungen Beachtung verdient.

Nationwide Children's Hospital Championship - Second RoundSchauffele gewann in der Saison 2019 zuerst die World Golf Championship – HSBC Champions, dann das Sentry Tournament of Champions. Beim Masters in Augusta wurde er Zweiter. Anfang Juni war er die Nummer 3 in der Geldrangliste der US PGA Tour, zählte zu den Top Ten der Welt. Um es kurz zu machen: Der schmächtige Schauffele hat sich längst festgesetzt in der Weltspitze. Er ist zäh, er ist hartnäckig. Sein Vater hat ihn dazu gemacht.

“Xander hat ein ziemlich dickes Fell. Sein Vater hat ihm alles immer direkt ins Gesicht gesagt. Er hat ihm ganz klar gesagt, was gut oder schlecht war. Und Xander rollte die Ärmel hoch und tat, was zu tun war. Er hat nie irgendwelche Entschuldigungen gesucht.” So jedenfalls beschrieb sein College-Coach Ryan Donovan von der San Diego State University den jungen Mann, der zu Amateurzeiten immer im Schatten seiner Konkurrenten Jordan Spieth und Justin Thomas stand. Die Lage hat sich geändert, Schauffele spielt derzeit auf gleicher Höhe mit, nur die Major-Titel fehlen noch.

Porsche European Open: Top-Spielerfeld und Showprogramm an der Reeperbahn

Dass der Amerikaner bei der Porsche European Open in Hamburg vom 5. bis 8. September auf dem Porsche Nord Course in Winsen an den Start geht, ist ein Statement. Nicht von Schauffele, sondern von der PGA European Tour, nachdem sie die Veranstaltung als Ausrichter von der Schweizer Firma 4Sports übernommen hat. Mit Schauffele, dem amerikanischen Ryder-Cup-Spieler Patrick Reed und dem Briten Paul Casey, der in diesem Jahr auf der PGA Tour bereits die Valspar Championship gewann, bietet man drei Top-Namen aus der Weltspitze auf. Martin Kaymer, der in der Weltrangliste zwar deutlich hinter den Genannten rangiert, in Deutschland neben Bernhard Langer aber trotzdem noch als Zugpferd Nummer 1 gilt, spielt in Hamburg nicht.

created by dji cameraDie PGA European Tour kann das verschmerzen. Den Umgang mit Weltklasseprofis und ihren Turnierplänen ist der neue Turnierdirektor Richard Atkinson gewohnt. Bei der Porsche European Open steigt die PGA European Tour aus mehreren Gründen ein. Zum einen kann sich die europäische Tour einen weiteren Wegfall eines Turniers in Kontinentaleuropa kaum leisten, andererseits übernimmt die European Tour immer mehr Turniere. Weltweit sind es inzwischen 13, gut vorstellbar, dass die Zahl noch wächst. Damit hat die PGA European Tour die Möglichkeit, mit ihren Sponsorenpartnern selbst die Turniere zu gestalten und Termine festzulegen, und sie kann Kontinuität in  eine Veranstaltung wie die European Open bringen, die zu den Events mit der größten Historie im Turnierkalender zählt. “Wir bringen substanzielle Erfahrung bei der Ausrichtung von Turnieren mit”, bringt es PGA European Tour CEO Keith Waters auf den Punkt.

Dem Golffan an sich ist es am Ende egal, wer das Turnier steuert. Für ihn zählen das Spielerfeld, das Rahmenprogramm – die Rundum-Show, die bei Veranstaltungen dieser Art längst Standard ist. Hier wird die Porsche European Open in diesem Jahr noch einmal an Niveau gewinnen, stellt Atkinson klar. Das Spielerfeld jedenfalls ist top, ein Showprogamm an der Reeperbahn zum Turnierstart soll auch Nichtgolfer nach Winsen locken. Golf soll zu einem Event werden, das man als Sportfan nicht missen will.

Rund ums Turnier

Grün 18 BesucherTermin: 5. bis 8. September 2019

Ort: Green Eagle Golf Courses, Porsche Nord Course, Radbrucher Str. 200, 21423 Winsen

Tickets: Donnerstag/Freitag 25 Euro, Samstag/Sonntag 35 Euro, Dauerkarte 100 Euro, Wochenendkarte 60 Euro, Kinder und Jugendliche bis elf Jahre kostenlos, Schüler/ Studenten/Behinderte 50 %. Am Freitag haben alle Besucher in einem Fußball-Nationaltrikot anlässlich des Länderspiels Deutschland – Niederlande freien Eintritt.

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